Erlaß des Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR
»Über die Umsiedlung der Deutschen, die in den Wolga-Rayons leben«

Entsprechend glaubwürdigen Nachrichten, die die Militärbehörden erhalten haben, befinden sich unter der in den Wolga-Rayons lebenden deutschen Bevölkerung Tausende und Zehntausende von Diversanten und Spionen, die nach einem aus Deutschland gegebenen Signal in den von den Wolgadeutschen gesiegelten Rayons Sprenganschläge verüben sollen. Über die Anwesenheit einer so großen Zahl von Diversanten und Spionen unter den Wolgadeutschen hat den Sowjetbehörden keiner der in den Wolga-Rayons ansässigen Deutschen gemeldet, folglich die deutsche Bevölkerung der Wolga- Rayons in ihrer Mitte Feinde des Sowjetvolkes und der Sowjetmacht.

Im Falle von Diversionsakten, die auf Weisung aus Deutschland durch deutsche Diversanten und Spione in der Republik der Wolgadeutschen oder in den angrenzenden Rayons ausgeführt werden sollen, und im Falle, daß es zum Blut vergießen kommen wird, wird die Sowjetregierung entsprechend den zur Kriegszeit geltenden Gesetzen gezwungen sein, Strafmaßnahmen zu ergreifen.

Um aber unerwünschte Ereignisse dieser Art zu vermeiden und ernsthaftes Blutvergießen zu verhindern, hat das Präsidium des Obersten Sowjets der Du SSR es für notwendig Gefunden, die gesamte deutsche Bevölkerung, die in den Wolga-Rayons ansässig ist, in andere Rayons umzusiedeln, und zwar derart, daß den Umzusiedelnden Land geteilt und bei der Einrichtung in den neuen Rayons staatliche Unterstützung in den gewährt werden soll.

Für die Ansiedlung sind die an Ackerland reichen Rayons der Gebiete Nowosibirsk und Omsk,der Region Altaj, Kasachstan und weitere benachbarte Gegenden zugewiesen worden.

Im Zusammenhang damit ist das Staatliche Verteidigungskomitee angewiesen worden, die Umsiedlung aller Wolgadeutschen und die Zuweisung von Grundstücken und Nutzland an die umzusiedelnden Wolgadeutschen in den neuen Rayons unverzüglich in Angriff zu nehmen.

Der Vorsitzende des Präsidiums
des Obersten Sowjets der UdSSR gez,
M. Kalinin
Der Sekretär des Präsidiums
Des Obersten Sowjets der UdSSR gez.
A. Gorkin

Moskau, Kreml,
28. August 1941

Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR
»Über das Alter von Kindern, die sich bei ihren verurteilten Müttern an den Haftverbüßungsorten aufhalten dürfen«

Unveröffentlicht
Moskau, Kreml, 29. Mai 1949

1) Es wird festgesetzt, dass Frauen, denen die Freiheit entzogen wurde, ihre Kinder bis zum Alter von 2 Jahren bei sich behalten dürfen.

2) Die Präsidien der Obersten Sowjets in den Unionsrepubliken werden ersucht, eine diesem Erlaß entsprechende Gesetzesverordnung in Kraft zu setzen.

Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR
N.M. SCHWERNIK
Sekretär des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR
A.F. GORKIN
Vorsitzender des Ministerrates der UdSSR
J. STALIN
Geschäftsführer des Ministerrats der UdSSR
M. POMASNEW

Staatsarchiv der Russischen Föderation, Fon 7523, Verz. 36, Dossier 533, Blatt 51. Urtext in Maschinenschrift.

Veröffentlicht in „Kinder des GULAG“ (Rußland. 20. Jahrhundert). Dokumente unter der allgemeinen Redaktion von A.N. Jakowlewna. Moskau, 2002.

Erklärung des Präsidenten Boris Jelzin während des Treffens mit den Einwohnern des Sowchos Ossinowskij,
Gebiet Saratow, am 8, Januar 1992:

„...Ich mache eine bedeutsame Erklärung, damit es alle wissen. Dort, wo es keine kompakte Ansiedlung der Wolgadeutschen gibt, das heißt, wo sie nicht die überwiegende Mehrheit haben, wird es keine Autonomie geben! Das ga- ran- tiere ich euch als Präsident! Eine andere Sache, sagen wir, im Gebiet Wolgograd gibt es ein militärisches Versuchsgelände von 300 000 Hektar...dort, sagen wir, können sie sich niederlassen. Und das Land, das von Artelleriegeschossen vollgestopft ist, können sie bearbeiten. Und Deutschland wird Ihnen helfen...“

An alle Vorgesetzten der NKWD-Lager persönlich: 25. Oktober 1941

Geheim

Auf Grund der Verordnung des Staatskomitees für Verteidigung Nr.: 660cc vom 11 September 41 und dem Befehl des NKWD der UdSSR Nr.: 001388 vom 26 September 41...

...2. Der Verpflegungssatz (der Mobilisierten in Arbeitskolonnen. Aut.) wird nach den monatlichen staatlichen Normen festgelegt: Fleisch– 1 200g., Fisch – 800g., Fett – 750g., Grütze – 2 000g., Zucker, Konditorwaren und Brot, wie im Befehl des Kommissars für Staathandel nach I. Kategorie bestimmt ist...

Stellvertretender des Vorgesetzten GULAG
des NKWD der UdSSR, Hauptmann des KGB:
Granowski


(ГФРФ.Ф.Р-9414.Оп.1.Д.1157.Л.78.

Staatskomitee für Verteidigung (ГКО)
Verordnung Nr.: 1123cc


Moskau, Kreml 10 Januar 1942


Ordnung zum Einsatz der wehrdienstpflichtigen Übersiedler von 17 bis 50 Jahren.

Zum Zweck der vernünftigen Ausnutzung der deutschen Männer-Übersiedler im Alter von 17 bis 50 Jahren wird vom ГКО (Staatskomitee für Verteidigung) verordnet:

1. 120 000 deutsche Männer von 17 bis 50 Jahren für die ganzen Kriegszeiten in die Arbeitskolonnen mobilisieren...

2. Alle Mobilisierten sind verpflichtet, zum Wehrkommando in warmer Winterkleidung mit einem Vorrat von Unter- und Bettwäsche, mit Becher, Löffel und zehntägigem Vorrat von Nahrungsmitteln zu erscheinen...

5. Das NKWD der UdSSR wird verpflichtet, in bezug auf die mobilisierten Deutschen, die sich nicht stellen oder die aus den Arbeitskolonnen desertieren, solche Fälle vom Sondersicher-heitsdienst des NKWD zu untersuchen, um gegen den Böswilligen die höchste Strafe anzuwenden.

6. Den Verpflegungssatz der mobilisierten Deutschen nach Normen der GULAG des NKWD UdSSR festlegen...
Vorsitzender des Staatskomitee für Verteidigung:

I. Stalin

(РЦХИДНИ.Ф.644.Оп.1.Д.19.49-50–Siehe „Neues Leben“ 1992, 26 August – Российский центр хранения и изучения дрокументов новой истории)

Staatskomitee für Verteidigung
Verordnung Nr.: 2383cc

Moskau, Kreml 7. Oktober 1942

Als Ergänzung der Erlasse Nr.:1123cc und 1281cc wird verordnet:

Zusätzlich für den ganzen Kriegszeitraum unterliegen der Mobilisierung in Arbeitskolonnen alle Männer von 15-16 bis 51-55 Jahren und...
...alle Frauen von 16 bis 45 Jahren. Zu befreien sind nur Schwangere und Frauen mit Kindern unter drei Jahren.

Kinder, die älter sind als drei Jahre, werden anderen Familienangehörigen übergeben. Wenn solche nicht vorhanden sind – den nächsten Verwandten oder in die deutschen Kolchose

I. Stalin

( „Die Geschichte der Russlanddeutschen in Dokumenten“ 1763 – 1992. Buch 1, M., 1993, S.172-173).

Verordnung der Ausnutzung der in Arbeitskolonnen
mobilisierte Deutschen-Übersiedler 2. Januar 1942

I. Allgemeines

Alle mobilisierten wehrdienstpflichtigen Deutschen werden zur Arbeit in Arbeitskolonnen organisiert und in die NKWD-Lager der UdSSR verwiesen…

III. Innere Ordnung.

1. Die Mobilisierten werden mit Kasernenordnung in Baracken einquartiert...

3. Die Baracken werden umzäunt, die Zone von der Wehrdienstwache des GULAG bewacht…

V. Bedienung, Erhaltung und Arbeit.

1. Der Arbeitstag – nicht weniger als 10 Stunden.

2. Jeder ist verpflichtet, seine Unterhaltskosten im Lager mit der Arbeit zu erstatten...

6. Das Gehalt, das über die Selbstkosten steigt, wird jedem als Guthaben angeschrieben, von dem der Inhaber für seine gute Arbeit vom Vorsteher der Kolonne sein Geld in bestimmten Maßen erhalten darf...

Stellvertreter des Kommissars für
innere Angelegenheiten der UdSSR,
Kommissar der KGB dritter Stufe:
Kruglov

(ГАРФ.Ф.Р-9414.Оп.1. Д.1157.Л.25-30.)

 

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