Der Rucksack

Des Weges geht gekrümmt ein Mann,
Der seinen Sack kaum tragen kann.
„Vertrau mir, Väterchen, den Zweck,
Wozu du schleppst ihn Eck´ zu Eck´?“

Mein Sohn, ich kenne noch die Zeit,
Als schritt ich froh umher,
Von Last und Kummer noch befreit -
Mein Rucksack war noch leer.

Doch wuchs allmählich Tag für Tag
Mein Sack, soviel er konnt´.
Man steckt' in den Soldatensack
Den Krieg und Finnlandsfront.

Den zweiten Krieg ich tragen muss -

Blockade, Frost sind dort.
Faschist mir schrie: “Ergib dich, Russ´!“
Doch zerrt´ den Sack ich fort.

Noch fünfzehn Jahr' Verbannungsfrist
Trug ich im Sack fortan.
Du, Ur-Ur-Urgroßvater bist
Der Schuldige daran.

„Du! Deutsches Aas!“ -ein Schlag, ein Hieb,-
„Halt´s Maul! Kenn deinen Platz“...
Dort in dem Rucksack stecken blieb
Der grausam schwere Satz.

So schleppte ich bergauf, bergab
Den Sack im Lebenslauf,
Wie Christus trug sein Kreuz zum Grab.
Ich fiel, stand wieder auf.

Und glaub mir, Sohn, nicht ich allein-
Es sind so manche noch
Die ganz erschöpft des Tragens sein,
Gekrümmt von ihrem Joch.

Und hast du Kraft dazu und Mut
So schnür die Säcke los,
Kram die Geheimnisse behut´
Und leg den Menschen bloß.

Das Volk muss wissen, was und wer -
Trug ich den Sack umsonst umher?
Und all die Tausend, die ihr Leben
Verloren an des Grauens Wegen...

Robert Leinonen
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