Deutscher Michel? Deutscher Kämpfer!

Von Alain Felkel

Heutzutage gibt unser Volk auch unserem vorherrschenden Selbstverständnis als Gemeinschaft geborener Duckmäuser. Doch ein Blick die Geschichte kündet vom Gegenteil.

In Deutschland herrscht die Meinung vor, die Deutschen seien ein Volk, das in der Vergangenheit fast alles sklavisch erduldete, was fürstliche und staatliche Autoritäten, und das nie lernte, um seine demokratische Freiheit zu kämpfen. Noch immer herrscht der Irrglaube vor, dass die Deutschen erst mit den Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Einigkeit vertraut wurden, als französische Revolutionstruppen 1792 in Deutschland einmarschierten oder die über Hitler siegreichen Alliierten sie 1945 damit beglückten.

Aufstand. Die Deutschen als rebelisches Volk

Aufstand. Die Deutschen als rebellisches Volk
Art. Nr.: 90737
ISBN: 9783785723876
Autor: Alain Felkel
Artikel bei buchfreund.de

Alain Felkel (*1965) ist Autor des Buchers »Aufstand. Die Deutschen als rebellisches Volk« (Luebbe, 2009), in dem er beispielhaft aufzeigt, wie sich die Deutschen in ihrer Geschichte gegen Unterdrückung und Gewaltherrschaft aufgelelehnt haben. Außerdem verfasste er Drechbücher, ist Berater zu historischen Themen bei Fernsehproduktionen und war Co-Autor des Begleibuches zur TV-Dokumentation »Die Germanen«

Der »deutsche Michel« war die Karikatur des bis zur Trotteligkeit gutmütigen Spießbürgers.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Deutschen sind ein rebellisches Volk, das hinsichtlich seiner Aufstandsgeschichte den Vergleich mit anderen nicht zu scheuen braucht. Der deutschen Geschichte mangelt es nicht an Helden und Mythen, tragischen Niederlagen und glorreichen Siegen im Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit. Das Panorama reicht von mutigen Rechen wie Arminius und Widukind, gesellschaftlichen Utopisten vom Schlage eines Thomas Müntzer über verwegene Volkstribunen und Bauernführer, die nicht davor zurückschreckten, selbst den Keiser herauszufordern. Die namenlosen deutschen Demokraten und Republikaner der Jahre 1848/49, die Arbeiter und Matrosen der Novemberrevolution 1918, die protestierenden DDR –Bürger der Jahre 1953 und 1989 –sie alle waren keine gefügigen Untertanen, sondern Rebellen in Geist und Tat.

In Blut ertränkt

Warum wurde dieser wichtige Aspekt der deutschen Geschichte vergessen? Dies liegt zum Teil daran, dass der deutschen Aufstands- und Revolutionsgeschichte das Odium des Scheiterns anhaftet. So endete der Deutsche Bauernkrieg 1525 mit einem fürchterlichen Blutbad, die Einheits- und Freiheitsbewegungen des Vormärz in Kerkern des Metternichschen Systems und die Revolution von 1848/1849 mit der völligen Unterdrückung der demokratischen Kräfte Deutschlands. Siegreiche Erhebungen wie die Novemberrevolution von 1918 fallen nach der Wiedervereinigung in der öffentlichen Meinung kaum ins Gewicht.

Zurück blieb die Karikatur des sprichwörtlichen »deutschen Michels«, des bis zur Trotteligkeit gutmütigen Spießbürgers. Das Scherzbild leitete sich von einer Figur der Renaissance ab, die unter dem deutschen Michel eher einen ungebildeten Trunkenbold verstand.

Deutscher Michel und seine Kappe 1848 Eulenspiegel

Etwas verwandelt tauchte es am 24. März 1848 im Eulenspiegel auf: Die Satirezeitung zeigte den Michel mit Nachthemd und Nachtmütze auf dem Kopf, wie unmartialisch die Revolution zu verschlafen droht. Die Figur wurde zum Sinnbild einer Erhebung, die nicht nur am politischen Widerstand, sondern auch der Halbherzigkeit und Inkonsequenz ihrer Protagonisten scheiterte.

Politisch nicht korrekt

Der Kampf gegen die Obrigkeit ist in Deutschland eine Geschichte vieler Niederlagen, aber auch großer Siege. Sie wurden zu Zeiten erfochten, als es weder Rechts noch Links gab, sondern ein Unter oder Oben. Dass es bei diesen Aufständen- gerade, wenn sie geschichtsmächtig wurden – nicht politisch korrekt zuging, machte der DDR – Historiker Wilhelm Zimmermann in seinem epochalen Werk Der große deutsche Bauernkrieg deutlich: »Die große Bewegung von 1525 hat ihre schöne wie ihre düstere Seite, reine und edle Kräfte walten darin neben unreinen und finsteren. Der Geist, aus welchem der ganze Kampf hervorging, war der Geist der Freiheit und des Lichtes. Die einzelnen Erscheinungen, in welchen sich der Geist Bahn zu brechen sucht, mögen noch so getrübt sein, dieser bleibt dennoch der, der er ist.«

Die Deutschen müssen den Vergleich mit anderen Nationen nicht scheuen.

Ich habe auf den folgenden Seiten, aber vor allem in meinen Buch Aufstand Die Deutschen als rebellisches Volk versucht, das falsche Bild über unsere Geschichte zu korrigieren. Es wird Zeit, dass bekannt wird: Die Deutschen sind ein Volk von Rebellen und Revolutionären, die waren es schon immer, zu allen Zeiten, in allen Regionen, gegen mancherlei Herrschaft.

Dossier
Das rebellische Volk

Klarstellungen über die Deutschen: Was den Mut zum Widerstand gegen Ausbeuter angeht, müssen wir uns nicht hinter anderen Nationen verstecken. Im Spätmittelalter wurden landauf, landab die Sensen geschliffen- gegen weltliche und geistliche Herren.

COMPACT Dossier 07.2014

Der Deutsche Michel in Königsberg

Der Deutsche Michel ist eine allegorische Darstellung des Deutschen an sich durch den Bildhauer Friedrich Reusch.

Friedrich Reusch hat das Standbild schon 1895 in seinem Atelier in der Kunstakademie Königsberg geschaffen. Lange Zeit stand es als unverkäuflicher Ladenhüter dort herum. Als 1913 der Wrangelturm, der seine militärische Bedeutung verloren hatte, nach Plänen von Prof. Friedrich Lahrs zu einer Kunsthalle umgebaut wurde, fehlte noch der äußerliche Hinweis darauf. 1924 wurde daher das Standbild auf einer Außenmauer der Kunsthalle aufgestellt. Obwohl zuerst verschmäht, erregte das Standbild doch Aufmerksamkeit und wurde ein Blickfang.

Wrangel Michel 1936Das Denkmal wurde in der Schlacht um Königsberg 1945 vollständig zerstört.

Quelle, u. a.: Wikipedia und www.ordensland.de

 

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