Generationen von Deutschen lebten in Russland

Delitzsch

Besonders in den Landgemeinden wird man sich noch an die Wolgadeutschen erinnern, die 1944/45 auf der Flucht mit ihren Pferdegespannen hier Unterkunft fanden. Da sie buchstäblich ins Sowjetparadies per Viehwaggon zurück mußten, war ihnen damals nicht Gelegenheit gegeben, bei uns heimisch zu werden.

Reichlich 50 Jahre danach leben sie wiederum unter uns, diesmal für immer.

Sie wollen bewußt heimisch werden. Deutsche sind sie immer geblieben. So wanderten sie wieder aus.

Die evangelische Gemeinde nahm sich mit aktiver Unterstützung der künstlerisch und agitatorisch sehr produktiven Vereinigung der in Leipzig ansässigen Landsmannschaft der Russlanddeutschen des Themas „Russlanddeutsche“ an. Den im gut gefüllten Saal des Gemeindehauses Anwesenden wurde ein interessanter und lehrreicher Abend geboten. Frau Maria Probst gab im thematischen Teil einen historischen Überblick über das wechselnde Schicksal vieler Generationen von Deutschen im fernen Russland. Es begann verheißungsvoll im Zarenreich ab 1763 mit Einladung zur Siedlung mit Landvergabe und Steuerfreiheit.

Zahlreiche deutsche Gemeinden prägten über Generationen das Gesicht einiger Regionen (Wolgagebiet, Schwarzes Meer). Tüchtigkeit, Fleiß, Sauberkeit hoben die Deutschen von der Umgebung ab. Sie waren anfangs echte Pioniere und gaben den Pioniergeist an die Kinder weiter. Der Tatendrang wurde nicht abgebremst. Im 20. Jahrhundert war die Blütezeit zu Ende. Weltkrieg, Revolution, Sowjetmacht und vor allen Dingen Krieg und Nachkrieg spielten den Deutschen über mit. Kein Wunder, dass mit der Perestroika verstärkt die Möglichkeiten zur Ausreise genutzt wurden. Die Sowjetunion ist zerfallen. Plötzlich wurde man sich bewußt, dass es neben den deutschen noch zahlreiche andere im Kommunismus zurückgedrängte Volksgruppen gibt. Die Deutschen haben wenigstens eine ferne und wohlhabende Heimat. Sollen sie doch dahin zurückkehren und ihre schmucken Häuser den angestammten Volksgruppen überlassen.

Doch was erwartet hier die Neubürger? Als ein wesentliches Problem in der neuen Heimat soll das Sprachproblem aus der Vielzahl der im Vortrag aufgeführten Probleme herausgestellt werden. Vor Generationen sprachen alle ganz selbstverständlich nur Deutsch, mit eigenem Dialekt. Später wurde die deutsche Sprache offiziell nicht mehr zugelassen. Wie sollte sie über Jahrzehnte den Kinder lükkenlos weitergegeben werden. Wenn außerhalb der Familie ein Verbot vorlag? Eine Sprache muß ja „leben“ oder sie verkümmert zum „Küchendeutsch“, wie Frau Probst es einschätzte.

Heute kann jeder wieder Deutsch sprechen. Aber wie dies nun wieder bewekstelligen, wenn die Eltern dieser Sprache nur bruchstückhaft mächtig sind? Es ist unmöglich, von heute auf morgen die Jahrgänge sprachlich einzudeutschen. So erklingen auch in Delitzsch russische Laute von Deutschen. In der nächsten Generation ist dieses Problem sicher gelöst. Aber zunächst stellt es für das Heimisch werden, insbesondere für Jugendliche, eine echte Klippe dar.

Das musikalische und tänzerische Ensemble der Russlanddeutschen aus Leipzig beschämte uns Ur- Delitzscher dahingehend, das es einige echte alte deutsche Volkslieder vortrug, die keiner von uns kannte. Kulturellers Erbe wurde halt in Russland bewahrt.

Rei

Unterstützung in sozialrechtlichen Angelegenheiten

macht Sozialreferent mit langjähriger Erfahrung

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