60 Jahre danach – die Wunden der Stadt

Der 4. Dezember 1943 ist als Schicksaltag der Stadt in die Annalen eingegangen: Das alte, einst prächtige Leipzig versank in Schutt und Asche. Durch den schwersten Luftangriff, der im Zweiten Weltkrieg über der sächsischen Messestadt geflogen wurde, verloren rund 2000 Menschen ihr Leben. Knapp ein Fünftel der Bevölkerung wurde obdachlos.

Leipzig gedenkt des 60. Jahrestages des schwersten Bombenangriffs auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg am 4. Dezember 1943

Der 4. Dezember 1943 ist als Schicksaltag der Stadt in die Annalen eingegangen: Das alte, einst prächtige Leipzig versank in Schutt und Asche. Durch den schwersten Luftangriff, der im Zweiten Weltkrieg über der sächsischen Messestadt geflogen wurde, verloren rund 2000 Menschen ihr Leben. Knapp ein Fünftel der Bevölkerung wurde obdachlos. Englische Bomber hatten einen Feuersturm über der Stadt entfacht. Zurück blieb eine zwei Kilometer breite Schneise völliger Zerstörung.

Die Matthäikirche um 1912 Ruine der Matthäikirche.
Matthäikirchdenkmal

Die Matthäikirche (zuvor Franziskanerkirche zum Heiligen Geist, Barfüßerkirche und Neukirche genannt) war eine Kirche in der Innenstadt Leipzigs und befand sich am heutigen Matthäikirchhof 22/23.
Fotos Quelle: Wikipedia.de

Der Angriff war nicht der erste auf Leipzig. Bereits im Spätsommer 1940 kam der Bombenkrieg von Guernica (im Spanien Bürgerkrieg 1937), Warschau, Rotterdam und Coventry nach Deutschland zurück. Das Heulen der Luftschutzsirenen, die Angst bestimmten den Alltag, entsetzliches Leid gehörte dazu.

Leipzig war nach dem 4. Dezember 1943 nicht mehr wieder zu erkennen. Nach nicht einmal einer halben Stunde Bombenhagels waren Matthäi-, Johannis-, und Trinitatiskirche sowie die Katholische Kirche zerstört, waren Altes Theater und Schauspielhaus dem Erdboden gleich gemacht, das Buchhändlerhaus, das Messeamt gab es nicht mehr, Schulen, Kliniken, ganze Straßenzüge, unzählige Wohnhäuser – ausradiert in kürzester Zeit. Die nüchternen Zahlen sind Summen, beziffern aber nicht das menschliche Leid: Über 4000 Gebäude total zerstört, über 11 000 mittelschwer bis leicht, 1067 Geschäftshäuser, 427 Fabriken, 56 Schulen, 28 Hotels, 29 Messehäuser und neun Kirchen völlig aus dem Stadtbild ausradiert. Die Wunden sind noch heute nicht gänzlich gelöscht. Lücken klaffen, bei Bauarbeiten werden Bomben gefunden. Auch die traumatischen Verwundungen von älteren Leipzigern, die oft als Kinder das Elend miterleben mussten oder nahe Angehörige verloren, sind ebenfalls nicht vernarbt. Erschütternde Zeitzeugenberichte sind im erst kürzlich erschienenen Band „Leipzig brennt. Der Untergang des alten Leipzig am 4. Dezember 1943 in Fotografien und Berichten“ (herausgegeben von Mark Lehmstedt, Lemstedt Verlag Leipzig, Preis 19,90 Euro, ISBN 3-937146-06-7) nachlesbar. Leipzig musste während des von Hitlerdeutschland entfesselten Zweiten Weltkrieges 38 Luftangriffe, davon 11 Großangriffe, erleben. Über 6000 Menschen kamen dabei um. Die unvorstellbare Menge von fast 11 500 Tonnen Bomben fielen auf die Stadt. Der Großraum Leipzig war vor allem ins Kriegsvisier geraten, weil er seit 1933 zu einem Zentrum der Rüstungsindustrie ausgebaut worden war: Die Allgemeine Transportgesellschaft (ATG) mit ihrem Vorläufer, den Deutschen Flugzeugwerken in Lindenthal, und die Erla Maschinenwerke GmbH – später einer der größten deutschen Rüstungsbetriebe – sowie die Mitteldeutsche Motorenwerke GmbH in Taucha waren hier stationiert.

„Leipziger Amts-Blatt“ N24, 22. November 2003

Der schwere Weg: Krieg und Nachkrieg in Leipzig

Wenige Wochen nach dem schweren Luftangriff vom 4. Dezember 1943 wurde Leipzig erneut zum Ziel allierter Bombenverbände. In der „big week“ vom 20. Bis 25. Februar 1944 sollten amerikanische und britische Luftflotten gezielt Objekte der deutschen Rüstungsindustrie zerstören. Doch die Angriffe vom 20. Februar 1944 trafen neben dem Erla-Werk in Heiterblick und einigen anderen Rüstungsbetrieben vor allem dicht besiedelte Wohngebiete im Westen,  Südwesten und Süden der Stadt. 972 Menschen verloren dabei ihr Leben. Unermüdlich versuchten die verantwortlichen Stellen in der Stadt, die Infrastruktur für die Rüstungsindustrie und die Bevölkerung wiederherzustellen. Dabei konnten sie auf über 2500 Kriegsgefangene und italienische Militärinternierte und auf eine ebenso große Zahl von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen zurückgreifen.

In einer gemeinsamen Vortragsreihe der Volkshochschule und des Stadtarchivs beschäftigen sich Leipziger Historiker mit den Auswirkungen des Krieges auf die Stadt und ihre Bewohner. Behandelt werden dabei das Schicksal Leipziger Juden, der Einsatz ausländischer Arbeitskräfte, die Folgen des Bombenkrieges sowie die Ankunft, Versorgung und nach 1945 die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Leipzig.

„Leipziger Amts-Blatt“ N4, 21. Februar 2004

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