Auszug aus dem Buch „Die Brechstangenpolitik im Zickzackkurs“

... Manche dachten, dass dies die Folgen der entstandenen Schwierigkeiten wegen des Krieges waren. Andere glaubten, dass sie von der betreuenden Behörde beraubt wurden. Die meisten waren überzeugt, dass die Partei und dass Genosse Stalin von diesen Misshandlungen und dieser schreienden, sinnlosen Ungerechtigkeit nichts wissen. Darum entstanden immer wieder die Fragen: Warum?

"... Manche dachten, dass dies die Folgen der entstandenen Schwierigkeiten wegen des Krieges waren. Andere glaubten, dass sie von der betreuenden Behörde beraubt wurden. Die meisten waren überzeugt, dass die Partei und dass Genosse Stalin von diesen Misshandlungen und dieser schreienden, sinnlosen Ungerechtigkeit nichts wissen. Darum entstanden immer wieder die Fragen: Warum? Wozu diese Absurdität? Warum des Hungertodes sterben, wenn wir nur als Lebende zum Sieg beitragen können?.."

Von Oskar Schulz

Die Trudarmee

Stacheldraht umzäunt die Blöcke,
auf die Arbeit mit Geleit!
Auf den Türmen, an den Ecken
Stehn’ die Wachen schussbereit.

Johannes Lotz

Es wäre meinerseits eine große Unterlassung und Ungerechtigkeit gegenüber den heutigen Lesern, von ihnen zu verlangen, den Begriff Trudarmee selbst klar zu verstehen, ihnen alleine die Lösung dieses Rätsels des 20. Jahrhunderts zu überlassen. Darum werden hier einige von vielen hunderter Dokumenten folgen, die Licht in die grausame Vergangenheit bringen sollen.

Als der Krieg 1941 anfing und die ersten Sowjetdeutschen mobilisiert wurden, da waren alle überzeugt, dass sie zur Front müssen, um das Vaterland zu verteidigen. Als Patrioten ihrer Heimat, der Sowjetunion, waren sie bereit, ihr Leben für das Vernichten des Faschismus zu opfern. Doch dann erwies sich, dass sie nicht zur ersten Linie, sondern ins tiefe Hinterland, in Arbeitskolonnen gebracht wurden. Ihnen wurde vorgegaukelt, und das klang ganz glaubwürdig: Im Inneren des Landes für den Sieg zu kämpfen. Doch in diesen Lagern – Trudarmee von den Sowjetdeutschen genannt –, fast ohne Versorgung, bei erbärmlicher Nahrung, hatten sie so gut wie keine Überlebenschancen. Und sie starben massenhaft, vom eigenen Staat in den Hungertod getrieben.

Manche dachten, dass dies die Folgen der entstandenen Schwierigkeiten wegen des Krieges waren. Andere glaubten, dass sie von der betreuenden Behörde beraubt wurden. Die meisten waren überzeugt, dass die Partei und dass Genosse Stalin von diesen Misshandlungen und dieser schreienden, sinnlosen Ungerechtigkeit nichts wissen. Darum entstanden immer wieder die Fragen: Warum? Wozu diese Absurdität? Warum des Hungertodes sterben, wenn wir nur als Lebende zum Sieg beitragen können?
Eine klare Antwort auf diese Fragen bekamen auch die am Leben gebliebenen Trudarmisten nie. Es gab auch von Chruschtschow keine vollständige Erklärung, als er in den Fünfzigern den Kult von Stalins Persönlichkeit in die Öffentlichkeit brachte. Auch trug der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 13. Dezember 1955 „Über die Aufhebung der Einschränkungen in der Rechtstellung der Deutschen...“ nichts Neues dazu bei. So auch nicht die Rehabilitationen vom 29.08.1964, 03.09.1972, 14.11.1989 des Obersten Sowjets der UdSSR und die Einführung der neuen Gesetze von der Russischen Föderation vom 26.04.1991 und 21.03.1992.

Wir finden auch keine direkte Bezeichnung der Trudarmee bei den Gelehrten und Historikern, die nach 1985 die Möglichkeit bekamen, die Archive der Sowjetregierung der vergangenen Jahre zu erforschen. Sie entdeckten Grausamkeiten, die, von der kommunistischen Ideologie gesteuert, gegen die deutsche Minderheit in der Sowjetunion ausgeübt wurden: Missachtungen der Verfassung und sinnlose Verfolgungen, die auf das Vernichten des Deutschtums gerichtet waren. Doch um dieser Brutalität einen richtigen Namen zu geben, fehlte allen der Mut. So N. F. Bugai: „Die Trudarmee war eine besondere Erscheinung... Die wichtigste Lehre in der Geschichte der Nötigung zur Arbeit ist die, dass diese Tätigkeit wenig Nutzen bringt und dass in den Zeiten des totalitären Regimes diese billigen Arbeitskräfte als einzig existierende Spunde zum Stoppen der in der Ökonomik entstehenden, Löcher betrachtet werden.“

Darum zu den Urquellen, zu den Erlassen, Verordnungen, Befehlen der Regierungsorgane, die mit der Trudarmee verbunden sind. Der Leser soll diese Dokumente selbst beurteilen und Schlussfolgerungen ziehen.

Zur Vorbereitung der Erlasse, die gegen die Sowjetdeutschen gerichtet waren, wurde das NKWD der UdSSR beauftragt. So ein Bericht der im Januar 1942 vorbereitet wurde:

Streng geheim

An den Volkskommissar Gen. Beria

Zur Frage der Mobilisierung der deutschen Übersiedler:
Es sind Deutsche übersiedelt worden – 749 950 Personen.
Nach Angaben des NKWD der UdSSR sind unter ihnen 154 588 Männer ab 16-17 Jahren, von ihnen arbeitsfähig von 17 bis 50 Jahren – 120 000 Mann. Die Möglichkeiten zu ihrem Einsatz:
In den Lagern des NKWD – 80 000, in der Bauwirtschaft – 40 000.

Stellvertreter des Volkskommissars der
Inneren Angelegenheiten der UdSSR

W. W. Tschernyschow
I.A. Serow

( ГАРФ.Ф.Р-9414.Оп.1.Д.1157.Л.12-14.– Государственный архив Российской Федерации)

So wurde die Festnahme aller deutschen Männer, die erst unlängst zwangsmäßig übersiedelt worden waren, vorbereitet und ihre Auslieferung an das NKWD und ihr Arbeitseinsatz in den GULAGs vorgeschlagen.
Und Stalin willigte ein:

Streng geheim

Staatskomitee für Verteidigung (ГКО)
Verordnung Nr.: 1123cc

Moskau, Kreml 10 Januar 1942

Ordnung zum Einsatz der wehrdienstpflichtigen Übersiedler von 17 bis 50 Jahren.
Zum Zweck der vernünftigen Ausnutzung der deutschen Männer-Übersiedler im Alter von 17 bis 50 Jahren wird vom ГКО (Staatskomitee für Verteidigung) verordnet:
1. 120 000 deutsche Männer von 17 bis 50 Jahren für die ganzen Kriegszeiten in die Arbeitskolonnen mobilisieren...
2. Alle Mobilisierten sind verpflichtet, zum Wehrkommando in warmer Winterkleidung mit einem Vorrat von Unter- und Bettwäsche, mit Becher, Löffel und zehntägigem Vorrat von Nahrungsmitteln zu erscheinen...
...
5. Das NKWD der UdSSR wird verpflichtet, in bezug auf die mobilisierten Deutschen, die sich nicht stellen oder die aus den Arbeitskolonnen desertieren, solche Fälle vom Sondersicherheitsdienst des NKWD zu untersuchen, um gegen die Böswilligen die höchste Strafe anzuwenden.
6. Den Verpflegungssatz der mobilisierten Deutschen nach Normen der GULAG des NKWD UdSSR festlegen...
Vorsitzender des Staatskomitee für Verteidigung:

I. Stalin

(РЦХИДНИ.Ф.644.Оп.1.Д.19.49-50–Siehe „Neues Leben“ 1992, 26 August – Российский центр хранения и изучения документов новой истории)

Fünfzig Jahre wurde dieser „Ukas“ über die Sowjetdeutschen verheimlicht. Wäre er damals veröffentlicht worden, so hätten viele Menschen Stalins wahres Gesicht erkannt. Er war es, der die Trudarmee ins Leben gerufen hatte. Die Unterschrift dieses Heuchlers, dieses Feiglings – Iosif Stalin – reißt ihm die Maske vom Gesicht. Er leitete das Vernichten der Sowjetdeutschen ein. Doch wollte er sich vor der Öffentlichkeit und vor seinen misshandelten Bürgern nicht blamieren.

Es hieß „zur vernünftigen Ausnutzung“ müssen alle deutschen männlichen Übersiedler in die Arbeitskolonnen. Aus diesem Grund wurden die 749 950 Sowjetdeutschen, die wegen der unbegründeten pauschalen Beschuldigung, Verräter zu sein – sie würden mit Hitler-Deutschland kollaborieren – das zweite Mal bestraft. Es waren kaum vier Monate vergangen, als sie enteignet, verschleppt und unter hundert anderen Völkern zerstreut worden waren. Sie waren alle derzeit noch ohne Obdach, Winterkleidung und andere Habseligkeiten. Sie mussten aber ihre Familien in diesem jämmerlichen Zustand verlassen.

Nach Punkt 2 wurden sie, wie alle Sowjetbürger, durch das Wehrkommando (Woenkomat) einberufen, doch dann nicht den Verteidigungskräften, sondern in Arbeitskolonnen dem NKWD zugewiesen.

Nach Punkt 5 wurden die Sowjetdeutschen völlig dem NKWD ausgeliefert. Diese bekamen das Recht, die Trudarmisten ohne Gericht, nur von einer NKWD-Troika (drei Personen), zum Tode zu verurteilen.

Der Punkt 6 steckte die mobilisierten Deutschen ohne Gericht, ohne Beschuldigung, eine Straftat begangen zu haben, direkt in den Rachen des NKWD (in der Verordnung – GULAG genannt). Hier zur Erklärung – damals wusste noch niemand, was dass Wort GULAG bedeutet, das kam viele Jahre später, in den Siebzigern durch Alexander Solshenizyn an die Öffentlichkeit: Staatliche Verwaltung der Besserungslager für politische Gegner der Bolschewiki.

Schon nach zwei Tagen folgt Beria’s Befehl:

Streng geheim

Befehl des Volkskommissars der inneren
Angelegenheiten der UdSSR Nr.: 0083

Inhalt: Das Zurechtlegen in Gruppen der mobilisierten Männer in den Lagern des NKWD der UdSSR
Moskau. 12. Januar 1942

Zur Erfüllung der Verordnung vom Staatskomitee für Verteidigung vom 10. Januar 1942, Nr.: 1123cc. Über „Die Ordnung im Einsatz der Wehrpflichtigen Deutschen-Übersiedler von 17 bis 50 Jahren“ befehle ich:

Die mobilisierten 80 000 arbeitsfähigen Männer von 17 bis 50 Jahren in folgende Lager einsetzen:

Iwdellag – 12 000,
Sewurallag – 12 000,
Isollag – 5 000,
Bjallag 7 000,
Ustwymlag – 4 000,
Kraslag – 5 000,
Bakallag – 3 000,
Bogoslowlag 5 000.

Allen Leitern der Lager:
Vorbereiten der Lagerpunkte zur Aufnahme der mobilisierten Deutschen.
...für sie Extralagerpunkte mit völliger Rentabilität organisieren.
...als Leiter die besten Tschekisten (NKWD-Mitarbeiter) mit guten Erfahrungen einsetzen.
Für die Mobilisierten die Versorgung nach Normen des GULAG einführen.

Volkskommissaar für innere Angelegenheiten
der UdSSR, Oberster Kommissar des KGB

L. Beria

(ГАРФ.Ф.Р-9401.Оп.1а.Д.110.Л.10-11.)...

Und so kamen alle mobilisierten Deutschen, den ersten 80 000 folgend, in die Lager des NKWD. Dieser Befehl gab der Lagerbehörde des NKWD den wichtigen Hinweis, wie die Deutschen zu behandeln sind. Das Wort Rentabilität versetzte die Mobilisierten in eine Lage der undurchdringlichen Rechtlosigkeit, die Machthabenden dagegen bekamen das grenzenlose Recht, über die Untergeordneten zu walten. So gerieten die Brotkarten in die Hände der Lagerbehörden, die sich das Recht nahmen, die Nahrungsmittel nach ihrem Wunsch zu verteilen. Sie überließen den Trudarmisten nur die 800g. Brot, die dazu gehörenden Lebensmittel verschwanden auf dem Weg zum Kessel. Rentabilität hieß, dass die Kosten der Unterhaltung der Bewachungs- und Unterdrückungsmaschine von den Sowjetdeutschen getragen werden mussten. Die eigentlichen GULAGs wurden bisher vom Staat finanziert. Die neue Kategorie der Häftlinge – die Sowjetdeutschen – wurde im Unterschied zu den alten Häftlingen des GULAG gezwungen, die sie bewachende Behörde und ihre Henker mit harter physischer Arbeit zu bezahlen, sie zu füttern.

Doch zurück zu der Arbeitskolonne. Diese „Epopöe“ hatte einen früheren Anfang. So wurde schon der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 22. Juni 1941 als Triebfeder genutzt, um 30 000 deutsche Männer der Ukraine als „sozial gefährliche Elemente“ zu mobilisieren. Sie unterstanden dem Befehl: „Beim Rückzug dem Aggressor nichts überlassen“. Sie wurden als lebendiges Material betrachtet, sollte die Gefahr entstehen, dass sie in die Hände des Feindes gerieten, so sollten sie vernichtet werden. Und sie wurden fast alle vernichtet, aber nicht im Frontgebiet, sondern im Ural, wohin sie zur Arbeit verschickt wurden. (G. Walter. „Die Zone der totalen Ruhe.“ S. 22)

Weiter unterstanden der Mobilisierung die deutschen Rotarmisten und Kommandeure, die zum Anfang des Krieges im Dienst waren – 64 644 sollten es nach N. F. Bugai gewesen sein („Die Deutschen in Arbeitskolonnen mobilisieren“, S. 11). Am 11 September, ’41 erschien die Verordnung des ГKО Nr.: 660cc und am 7. Oktober ’41 die Verordnung des Allgemeinen Volkskommissariats der UdSSR Nr.: 31-972 „Über die Aussonderung der Arbeitskolonnen aus den Wehrdienstpflichtigen“

Im Oktober’ 41 wurden die „mobilisierten“ Deutschen in Baubataillone eingeordnet, die dann in Arbeitskolonnen umbenannt wurden. Also hatte Stalin schon Ende 1941 genügend Erfahrungen in der Unterdrückung und der massenhaften Inhaftierung der Sowjetdeutschen erworben. Und obwohl in allen Dokumenten Stalins Erfindung als Arbeitskolonne bezeichnet ist, blieb im Gedächtnis der Russlanddeutschen das Wort „Trudarmee“ als Innbegriff der unmenschlichen Behandlung der deutschen Sowjetbürger.
Bald erschien der folgende Erlass des ГКО – Staatskomitees für Verteidigung – die Verordnung Nr.: 1281cc. vom 14 Februar 1942. Mit diesem Erlass wurden alle deutschen Männer, das heißt auch diejenigen, die nicht übersiedelt worden waren, von der Mobilisation erfasst. Das bedeutete, dass sie auf dieselbe Stufe wie die zwangsmäßig Übersiedelten gestellt wurden. Sie sollten wie die Wolgadeutschen die Mitverantwortung für den nicht begangenen Verrat tragen und wurden auch in die GULAGs gesteckt.
Hier folgt der grausamste Akt gegenüber der deutschen Minderheit in der Sowjetunion:

Streng geheim

Staatskomitee für Verteidigung
Verordnung Nr.: 2383cc

Moskau, Kreml 7. Oktober 1942

Als Ergänzung der Erlasse Nr.:1123cc und 1281cc wird verordnet:
Zusätzlich für den ganzen Kriegszeitraum unterliegen der Mobilisierung in Arbeitskolonnen alle Männer von 15-16 bis 51-55 Jahren und...
...alle Frauen von 16 bis 45 Jahren. Zu befreien sind nur Schwangere und Frauen mit Kindern unter drei Jahren.
Kinder, die älter sind als drei Jahre, werden anderen Familienangehörigen übergeben. Wenn solche nicht vorhanden sind – den nächsten Verwandten oder in die deutschen Kolchose

I. Stalin

( „Die Geschichte der Russlanddeutschen in Dokumenten“ 1763 – 1992. Buch 1, M., 1993, S.172-173).

Wichtig:

1. Auch in diesem Erlass gab es keinen Hinweis auf die Halbwüchsigen, die 15-jährigen, und sie wurden unter dieselben extremen Bedingungen, Verpflegung und Arbeitsnormen, wie die Erwachsenen gestellt. Sie gerieten zuallererst, in Folge des Leidens an Unterernährung und schwerer Arbeit, in die Kategorie der an Dystrophie Leidenden und gingen zu Grunde.

2. Jetzt wurden auch die Frauen von ihren Kindern getrennt. Nicht eine Nation von den 100 anderen in der Sowjetunion wurde in solch eine erbärmliche, auswegslose Lage wie die Deutschen gestellt. Im „Ukas“ des ГКО vom 14 Oktober ’42, Nr.: 2490cc wurden alle Männer der Länder, die mit der Sowjetunion kämpften: Rumänen, Ungaren, Italiener, Finnen – der Verordnung Nr.:1123cc und 1281cc unterstellt. Doch ihre Frauen blieben verschont. Nur die deutschen Frauen mussten, wie auch ihre Männer, das ungerechte Merkmal „sozial gefährliche Elemente“ tragen. Als Ausnahme galten Frauen, die mit Russen, und Russinnen, die mit deutschen Männern verheiratet waren. Das NKWD hatte sogar die deutschen Frauen, die aus der Haft befreit wurden, nicht vergessen:

Geheim

Den Leitern der Besserungskolonien für
Häftlinge und der NKWD-Lager 16. Dezember 1942

...alle Frauen von 16 bis 45, die nach dem Ablauf der Haftzeiten entlassen werden, unterliegen der Mobilisierung in die GULAGs des NKWD (NKWD und Staatsanwaltschaft der UdSSR Nr.: 186) Frauen der Finnen, Rumänen und andere werden befreit und zu ihren Familien geschickt...

Vorgesetzter des GULAG des NKWD der UdSSR,
Oberstmajor KGB

Nasedkin

(ГАРФ.Ф.Р-9414.Оп.1.Д.1157.Л.140.)

Aus dem Knast, ohne die Familienangehörigen zu sehen zu bekommen, steckte man sie direkt ins Fegefeuer. Nur die deutschen Frauen, als Zugehörige des deutschen Volkes, wurden für nicht begangenes Verbrechen bestraft.

3. Die ohne Eltern gebliebenen Kinder sollten wie Inventar (wie Vieh?) den Kolchosen übergeben werden.
Auch der Sowjet des Volkskommissariats bestimmte:

Geheim

Beschluss Nr.: 1843-861c

Moskau, Kreml 18. November 1942

...3. Die Kinder der in die Arbeitskolonnen mobilisierten Deutschen sind in russischen und kasachischen Kolchosen unterzubringen.

Stellvertretender des Vorsitzenden des Sowjets
des Volkskommissariats der UdSSR

W. Molotow

(ЦХСД.Ф.Оп.58. Д.178.Л.55. – Центр хранения современных документов)

Durch die Einführung der Trudarmee wurden die deutschen Männer von den Frauen getrennt. Die Zahl der deutschen Minderheit geriet ins Stocken. Ganz zu schweigen von den schrecklichen Jahren 1942 bis ’44 (N.F. Bugai, Literaturverzeichnis) und von den Nachkriegsjahren: „Die schwierigen Lebensbedingungen verdammten die Deutschen zum Aussterben. Die Dynamik (Geburtsraten, Todesfälle) der Fortpflanzung der mobilisierten Deutschen war wie folgt: 1945 sind 1914 Kinder geboren, es starben 6930 Menschen; 1946 demgemäss 4236 und 8915; 1947 – 7314, 12 575; 1948 – 12 309, 17 679. Doch wer waren die Väter dieser Kinder?

Von großer Wichtigkeit ist ein weiteres Dokument, welches bestätigt, wie grob die Sowjetdeutschen betrogen wurden. Vom Woenkomat (Wehrkommando) einberufen, wurden sie nicht an die Front, sondern in Konzentrationslager gesteckt:

Streng geheim

HKWD der UdSSR, Moskau
KGB Gen. Iwanow
14. Februar 1942

...Weil während der Mobilisierung den Deutschen-Übersiedlern nicht gesagt wurde, dass sie in die Arbeitskolonnen untergebracht werden, entstanden verschiedene Gerüchte...

Vorgesetzter des NKWD, Major KGB

Malinin

Leiter KRO NKWD, Oberleutnant KGB

Schmarin

(ГАРФ.Ф.Р-9479.Оп.1.Д.112.Л.158-159об.)

Nach dem Erscheinen der Verordnung Nr.: 1123cc und Mobilisierung der Sowjetdeutschen kam die mächtige administrative Maschine der Sowjetunion in Bewegung, die mit jedem folgenden Ukas Nr.: 1281, 2383 und anderen sich immer mehr beschleunigte.

Streng geheim

Verordnung der Ausnutzung der in Arbeitskolonnen
mobilisierten Deutschen-Übersiedler 2. Januar 1942

I. Allgemeines
Alle mobilisierten wehrdienstpflichtigen Deutschen werden zur Arbeit in Arbeitskolonnen organisiert und in die NKWD-Lager der UdSSR verwiesen.

III. Innere Ordnung.
1. Die Mobilisierten werden mit Kasernenordnung in Baracken einquartiert...
...
3. Die Baracken werden umzäunt, die Zone von der Wehrdienstwache des GULAG bewacht.

V. Bedienung, Erhaltung und Arbeit.
1. Der Arbeitstag – nicht weniger als 10 Stunden.
2. Jeder ist verpflichtet, seine Unterhaltskosten im Lager mit der Arbeit zu erstatten...
...
6. Das Gehalt, das über die Selbstkosten steigt, wird jedem als Guthaben angeschrieben, von dem der Inhaber für seine gute Arbeit vom Vorsteher der Kolonne sein Geld in bestimmten Maßen erhalten darf...

Stellvertreter des Kommissars für
innere Angelegenheiten der UdSSR,
Kommissar der KGB dritteк Stufe:

Kruglov

(ГАРФ.Ф.Р-9414.Оп.1. Д.1157.Л.25-30.)

Auf Grund dieser Verordnung gibt der Vorsteher der Leitung, der Abteilung „Wache und Regime“ des GULAG vom NKWD der UdSSR, Major KGB Dobrynin, folgenden Hinweis:

I. Bewachung.
1. Um die allgemeine Zone der Mobilisierten werden Kontrollposten und Vorposten mit Wachhunden ausgestellt, die 24 Stunden den Dienst durchführen...die Bewachung der arbeitenden Mobilisierten wird durch Umzingelung erfüllt...

Und die raffinierte Grausamkeit rollt weiter. Der Leiter der Arbeitsabteilung des Narkomats der Schwarzmetallurgie Timoschpolskij empfiehlt:
Teil III. Punkt 18 ... die Zone muss mit einem Zaun oder Stacheldraht umzogen sein...
Teil XII. Punkt 76. Diejenigen, die Strafe abbüßen, arbeiten 12 Stunden.

Der Leiter für Kader des Kommissariats der Papierindustrie, Lichanov, und der Leiter der Arbeiterkader des Baukommissariats der UdSSR, Maksakov, schreiben vor:
Den mobilisierten Deutschen werden drei Ruhetage im Monat gegeben und täglich eine ununterbrochene achtstündige Ruhe zum Schlafen gestattet...Wohnplatz – 2,4 m².

(ГАРФ.Ф.Р-9479. О.1.Д.148.Л.157-167, и Д.146.Л.102-108, и Д.147.Д.224-230.)

Acht Stunden Ruhe hinter dem Stacheldraht. Was bedeutete das? Es hieß: Bis zwei, drei Stunden im Marsch zur Arbeitsstelle, zehn bis zwölf Stunden – bis zur totalen Erschöpfung – schuften und wieder mehrere Stunden zu Fuß zurück ins Lager. Und das sollte gesetzlich sein? Das hieß arbeiten für den Sieg: „Давай, давай“ (Los, los), „um jeden Preis“.

Die hier vorgestellten Dokumente, die alle mit dem Verzeichnis „Streng geheim“ versehen sind, zeigen, dass die Sowjetdeutschen schon lange vor dem Erscheinen der Verordnung Nr.: 1123 in Stalins Visier geraten waren. So wurden die Sowjetdeutschen schon am 3. Januar einberufen, der „Ukas“ aber, kam erst am 10.01.42 zustande. Auch die Verordnung der Ausnutzung der Mobilisierten in Arbeitskolonnen war schon am 2. Januar 42 von Kruglow (Innenministerium) unterschrieben.
Zum Verständnis der ganzen Maschinerie, wie der Hunger eingeleitet wurde, wird hier noch ein wichtiges Dokument vorgelegt.

Geheim

An alle Vorgesetzten der NKWD-Lager persönlich: 25. Oktober 1941

Auf Grund der Verordnung des Staatskomitees für Verteidigung Nr.: 660cc vom 11 September 41 und dem Befehl des NKWD der UdSSR Nr.: 001388 vom 26 September 41...
...2. Der Verpflegungssatz (der Mobilisierten in Arbeitskolonnen. Aut.) wird nach den monatlichen staatlichen Normen festgelegt:

Fleisch – 1 200g.,
Fisch – 800g.,
Fett – 750g.,
Grütze – 2 000g.,
Zucker, Konditorwaren und Brot, wie im Befehl des Kommissars für Staathandel nach I. Kategorie bestimmt ist...

Stellvertretender des Vorgesetzten GULAG
des NKWD der UdSSR, Hauptmann des KGB:

Granowski

(ГФРФ.Ф.Р-9414.Оп.1.Д.1157.Л.78.)

Auch in den folgenden Verordnungen wird erwähnt, dass die Mobilisierten nach diesen Normen versorgt werden sollten. In Wirklichkeit wurde diese für sie bestimmte Menge an Lebensmitteln auch geliefert. Doch da die Lagerbehörde, wie schon gesagt, unbegrenzt selbst walten konnte wem, was und wie viel zu geben ist, so blieben für die Sowjetdeutschen nur die 700-800g Brot und der Heringkopf übrig.

Ein normaler Mensch kann heutzutage gar nicht begreifen, was für den hart Schuftenden eine solch schlechte Ernährung bedeutet. Die heutigen Kinder sagen: „Wir essen überhaupt kein Brot und werden dennoch zu dick.“ Darum eine kurze Rechnung:

Ein physisch 10-12 Stunden schwer arbeitender Mensch benötigt zur Herstellung der Arbeitsfähigkeit ein Minimum von 3 900 Kilokalorien (kcal) pro Tag. Die 800g Brot, der Heringkopf und 0,5 L. Balanda enthielten 1 800 kcal. Der Anteil von Fett in Tagesrationen deckte nur 9% des gesamten Bedarfs. Die fehlenden 2100 kcal wurden dem Körper, dem Gewebe und den Knochen entnommen. Und so wurde an einem Tag 400 Gramm des Körpergewichts abgebaut, in zehn Tagen – 4 kg, in einem Monat – 12, in drei Monaten – 36. Es blieben von einem 70 kg schweren Mann 34 kg Haut und Knochen. Der eingetretenen Dystrophie schlossen sich verschiedene Krankheiten an: Nachtblindheit, Skorbut, Tuberkulose, Dysenterie, Thypus und andere. Der Mobilisierte, der seine Arbeitsnorm nicht erfüllen konnte, bekam nur 600-700g Brot, und er musste noch mehr abmagern, kam dann ins Lazarett, wo ihm nur 500g Brot zugeteilt wurden – und das war sein Ende. Der Tod war damit im Voraus vorprogrammiert.

Wusste die Behörde der obersten Staffelung des GULAG und der Regierung vom entstandenen bedrohlichen Zustand der Trudarmisten? Ja, sie wussten es. Konnte man andere Möglichkeiten zur Verbesserung der Ration der Mobilisierten suchen und finden? Ja, es gab solche Möglichkeiten. Ein Dokument aus dem Winter ’42, des zweiten Monats der Massenmobilisierung, bestätigt das:

An den Stellvertreter des Volkskommissars für
innere Angelegenheiten, Kommissar des KGB
dritter Stufe
Gen. Kruglow
2. März 1942

Die aus dem Sonderkontingent (Deutsche) Angekommenen, haben meistens keine Bettwäsche, Winterkleidung und Filzstiefel, haben keinen Vorrat von Lederschuhen. Das Lager hat kein Recht, diesem Kontingent die Sachen zu geben.

Gen. Lewinson – Vorsteher des Wjatlag NKWD – setzt sich ein, um dieses Kontingent von zu Hause aus mit Kleidung, Bettwäsche, wie auch Nahrungsmitteln zu versorgen. Ein Versorgungsbüro, bestehend aus drei Personen, könnte von den Verwandten diese Sendungen übernehmen und ins Lager bringen.

Ich ersuche so eine Möglichkeit.

Vorgesetzter der Lager der Forstwirtschaft
des NKWD der UdSSR Oberstmajor KGB

Timofeev

(ГАРФ.Ф.Р-9141.Оп.1.Д.1157.Л.65.)

Schon nach vier Tagen folgte eine positive Entscheidung:

“...Nur die von den Verwandten geschickten Pakete sollen einer unbedingten Untersuchung unterstellt werden...“

(ГАРФ.Ф.Р-9414.On.1.Д.1157.Л.46 и Л.63-64)

Also existierte schon derzeit eine Direktive, die den hungerleidenden Trudarmisten helfen konnte. Doch mit dieser Rettungsmöglichkeit wurden die Leidenden nicht bekannt gemacht, sogar die Vorgesetzten der Lager des NKWD wussten nichts davon. Dennoch wurden einige Versuche, die Mobilisierten von Zuhause aus zu retten, vorgenommen. Aber sofort griff die Macht wieder ein:

Geheim

Allen Vorgesetzten der Lager
NKWD der UdSSR 21. November 1942

...Bei den Untersuchungen der Sendungen wurden Briefe, die an die mobilisierten Deutschen geschrieben waren, gefunden und oftmals war antisowjetischer Inhalt vorhanden.
...Im Voraus ist diese Tätigkeit verboten. Die Direktive GULAG Nr.: 42/140630 vom 23 März dieses Jahres ist annulliert.

Vorgesetzter des GULAG des NKWD
der UdSSR Oberstmajor:

Nasedkin

(ГАРФ.Ф.Р-9474.Оп.1.Д.111.Л.111.)

So blieb alles beim Alten und die realen Möglichkeiten wurden nicht genutzt. Die Trudarmisten blieben auch weiterhin in den GULAGs ohne Bettwäsche, Kleidung und Nahrungsmittel. Es gab mehrere Anfragen, ob die Verwandten der mobilisierten Deutschen selbst die Sachen in die Lager bringen dürften. Die Antwort, wie folgt:

Geheim

Allen Vorgesetzten der NKWD-Lager
der UdSSR 31. August 1942

...die Erstattung einer Erlaubnis den Verwandten widerspricht dem NKWD-Befehl der UdSSR Nr.: 0108 vom 31 März 1942, desto mehr weil ihre territoriale Bewegung völlig begrenzt ist.

Stellvertretender des Vorstehers GULAG
des NKWD Major KGB

Dobrynin

Vorgesetzter der Abteilung Erfassung
und Verteilung der Häftlinge GULAG, Kapitän:

Granowski

(ГАРФ.Ф.Р-9414.Оп.1.Д.1157.Л.119.)

Und so wird klar, dass es Möglichkeiten und sogar Versuche gab, die bedrohliche Lage der Trudarmisten zu verbessern, doch die Machthabenden blockierten alles, was den Deutschen Überlebenschancen bringen konnte.
Es fanden sich auch andere Wege zur Lösung der Bekleidungsprobleme, die nie verboten wurden. So der Stellvertreter des Vorgesetzten der Erdölindustrie der UdSSR:

Geheim

An den Leiter des Kasölindustriekombinats
Gen. Pilipez
14. November 1942

...Die Kleidung und das Schuhwerk sind zerfallen, Neues ist nicht gestattet ihnen herauszugeben seit ihrer Mobilisierung. Manche Arbeiter sind bei der eingetretenen Herbstkälte gezwungen fast unbekleidet zur Arbeit zu gehen. Dazu die schlecht organisierte Ernährung.
...Bei ihnen sind 170 Fälle von Skorbut und 52 Todesfälle registriert.
...beschafft euch selbst selbsthergestellte Kleidung (aus Planenstoff, Schuhe mit Holzsohlen und Bastschuhe), näht Handschuhe, Mützen u.s.w. I.Karjagin

(ГАРФ.Ф.Р-9479.Оп.1.Д.110.Л.80.)

Unter den Archivdokumenten sind sogar einige vorhanden, die einem normalen Menschenverstand widersprechen:

Geheim

Allen Volkskommissaren der Republiken,
Vorgesetzten der Regionen und
Gebieten der NKWD-Lager November 1943

...11. Das NKWD der UdSSR richtet ihre Aufmerksamkeit auf eine höchst vorsichtige Behandlung der Frage von Urlaubserteilungen wegen Krankheit. Es ist sorgfältig zu prüfen, ob der völlige Verlust der Arbeitsfähigkeit der Mobilisierten keine Folge der Selbstverstümmelung oder eine mit Absicht verursachte Unterernährung ist. In solchen Fällen sind die Schuldigen in Schauprozessen zur strengen Verantwortung zu ziehen.

Stellvertreter des Vorgesetzten des Volkskommissariats
für innere Angelegenheiten der UdSSR,
Kommissar KGB des zweiten Ranges

Tschernyschow

(ГАРФ.Ф.Р-9401.Оп.1а.Д.155.Л.33-34.)

Was für eine unmenschliche, höhnische Herabwürdigung! Die Trudarmisten wurden durch schwere Arbeit, nicht ausreichende Nahrung und brutale Behandlung zur völligen Dystrophie getrieben, um sie dann der absichtlichen Abmagerung zu beschuldigen. Das war eine unerhörte satanische Schadenfreude der Peiniger über ihre Opfer.
Dabei versuchten viele Machthaber aus den Sowjetdeutschen einen Spund, ein Rettungselixier zu machen:
An Sowjet des Volkskommissariats der UdSSR

Geheim

Gen. Mikojan A.I.
Oktober 1943

Das NKWD übersiedelte aus Reihen des Sonderkontingents 66 763 Personen in den hohen Norden...

Nach den durchgeführten Mobilisierungen sind an den Aussiedlungsorten nur noch Frauen mit vielen Kindern, Greise und Minderjährige geblieben, die man dort nicht nutzen kann.

Das NKWD kann die verlangten 1500 Männer Sonderkontingent nicht erbringen.

Stellvertretender des Volkskommissars
der inneren Angelegenheiten der UdSSR

B. Tschernyschow

(ГАРФ.Ф.Р-9479.Оп.1.Д.111.Л.17)

Das Ersuchen der Sowjetdeutschen führte so manche Behörde in einen Streit. So schreibt derselbe B. Tschernyschow an den Vorgesetzten des GULAG Nasedkin, am 30. März 43:

... wir sollten den Betrieben Nr.: 1 bis 5 mindestens 2100 Häftlinge zuschicken. Meiner Meinung nach genügt es wenn wir ihnen mobilisierte deutsche Frauen in Zahl 20% weniger zustellen.

(ГАРФ.Ф.Р-9479.Оп.1.Д.148.Л.101.)

Mit diesem Schreiben verdeutlichten die NKWD-Männer, wie hoch sie die deutschen Frauen schätzten. Oder auch der Fall mit 623 deutschen Frauen, die vom Sekretär der Kommpartei des Gebietes, Gen. Melnikow, trotz Befehl des NKWD nicht abtransportiert wurden.
Im Juni waren diese Frauen von dem NKWD mobilisiert worden. Doch sie wurden nicht nach Uchtischem geschickt, sondern in der Kohlenbranche Karaganda eingesetzt.
Am 1. Juli ’43 beklagte das NKWD der Kasachischen Republik diese Tätigkeit.
Am 4. Juli ’43 befiehlt Nasedkin – GULAG der UdSSR – dem NKWD Kasachstan, diese 623 Frauen abzutransportieren.
Melnikov legte eine Beschwerde im ZK der Kommpartei Kasachstan ein. Von da folgte ein Telegramm nach Moskau... Und schon musste Nasedkin sich vor dem Volkskommissar der inneren Angelegenheiten rechtfertigen. Doch dann folgt ein Regierungstelegramm aus Moskau:

An das NKWD, Alma-Ata, Gen. Bogdanov
Kopie: ZK der Partei Kasachstan Gen. Skworzov

Ich befehle, die Mobilisierung zu den bestimmten Terminen abzuschließen: Der Deutschen am 7. September...
Gen. Skworzov wird gebeten, dem NKWD Kas. SSR in der Durchführung der Mobilisation beizustehen.

Volkskommissar der inneren
Angelegenheiten der UdSSR

L. Beria

(ГАРФ.Ф.Р-9479.Оп.1.Д.110.Л.138.)

Auf Berias Urteil konnte nur ein Mann in der Sowjetunion einen Einfluss ausüben, und das war Stalin. Wahrscheinlich kam es nicht so weit und die 623 deutschen Frauen wurden in den Hohen Norden abtransportiert.
Die Dokumente, sogar dieser Streit, zeigen, wie wichtig auch in den Kriegsjahren die Sowjetdeutschen als Arbeitskräfte waren und dennoch so unmenschlich behandelt wurden.
Wusste die Oberschicht der Regierung und Stalin persönlich von den Grausamkeiten, die gegen die Sowjetdeutschen ausgeübt wurden? Bestimmt wussten sie von allem, denn sie hatten ja diese Einstellung von oben befohlen.
So ein Dokument:

Streng geheim

Bericht 31. August 1942

Das Studium der von den Lagern des NKWD vorgelegten Daten über den natürlichen Abgang aus den Arbeitskolonnen der mobilisierten Deutschen zeigt, dass in einer Reihe von Lagern in diesem Zusammenhang äußerst schlechte Verhältnisse zu verzeichnen sind. So sind in fünf Lagern von Januar bis Juli von 43 856 Mobilisierten Deutschen 5181 gestorben
Eine besonders hohe Sterblichkeit wird auf dem Solikam-Bau registriert, wo in sieben Monaten 17,6 %, so wie auf dem Bogoslow-Bau – 12,6 % und Sewsheldor-Bau, wo in drei Monaten 13,9 % des Listenbestandes starben...
Solcher Abgang, wenn er im gleichen „Tempo“ voranschreitet, führt in kurzer Zeit zu einer einschneidenden Reduzierung des Arbeitsfonds dieser Kontingente, wenn nicht rechtzeitig Vorbeugungsmaßnahmen getroffen werden.

Leiter des OURS des GULAG des NKWD,
Hauptmann der Staatsicherheit

Granowskij

(ГАРФ.Ф.Р-9414.Оп.1.Д.1157.Л.149-150.)

In drei Monaten 13,9 %, das sind in einem Jahr mehr als die Hälfte der Menschen. Hier aber, in diesem Dokument, werden sie nicht als Menschen, sondern nur in der Eigenschaft als „Kontingent“, als Arbeitskraft betrachtet. Und dieses geschah nicht in einzelnen, sondern ohne Ausnahme in allen Lagern des GULAG, in denen dieses „Kontingent“ eingesperrt war. Und wie ungeheuer höhnisch klingt hier der „natürliche Abgang“, der faktisch ein planmäßiges Vernichten der Sowjetdeutschen war.
Von all diesem wusste auch Stalin. In „Stalins Sondermappe“ befinden sich viele Klagen als Dokumente, die von Trudarmisten an Beria geschrieben worden waren und von den geschaffenen unerträglichen Umständen berichteten. (So N. F. Bugai, siehe Literaturverzeichnis).
Im Mai 1945 ging der Krieg für alle zu Ende. Doch nicht für die Sowjetdeutschen.
In den Erlassen Nr.:1123-, 1281-, 2383cc hieß es „mobilisiert auf die ganzen Kriegszeiten“, dennoch wurden sie auch weiterhin nicht aus den GULAGs entlassen. Umgekehrt, schon im Voraus, im Januar ’45 wurde ihre Zukunft bestimmt:

Streng geheim

Verordnung des Volkskommissariats der UdSSR
„Über die Rechtstellung der Sondersiedler“ 8. Januar 1945

...3. Die Sonderansiedler haben nicht das Recht, den von der jeweiligen Kommandantur bestimmten Aussiedlungsrayon ohne Genehmigung des Kommandanten des NKWD zu verlassen...

W. Molotow

(G. Walter „Die Zone der totalen Ruhe“ S. 434)

Erst im Herbst 1946 wurden die Arbeitskolonnen (Trudarmee) aufgelöst. Der Stacheldraht verschwand, doch die Trudarmisten wurden unter Sonderaufsicht gestellt und durften die Orte der Mobilisierung – die GULAGs – nicht verlassen. Es wurde ihnen erlaubt, die Familien in die GULAGs zu holen.
Am 26. November 1948 erschien ein weiterer Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, der die Sowjetdeutschen auf ewige Zeiten ins Joch spannte. Die „sozial gefährlichen Elemente“ wurden jetzt ewige Sonderansiedler. Das Verlassen des angewiesenen Ortes wurde mit 20 Jahren Zwangsarbeit im Hohen Norden bestraft. So wurden die Trudarmisten – alle Sowjetdeutschen – auf ewige Zeiten festgenagelt, man hielt sie weiter in festen Zügeln. Die Unterdrückung der Mobilisierten kann man auch in vielen späteren Dokumenten erkennen. So ein Bericht des Kommissare der inneren Angelegenheiten der Usbekischen SSR:
Nr.: 28925, Taschkent

Streng geheim

NKWD der UdSSR. Moskau,
an Gen. Rachimov 24. Februar 1950

...Es befinden sich im Einsatz des Bauunternehmens Nr.: 5 zu diesem Zeitpunkt 680 mobilisierte deutsche Frauen...
Alle arbeitenden Deutschen erhalten 800g Brot und zweimal Gekochtes, die nicht Arbeitenden – 400g Brot und einmal gekochtes Essen.
Die Wohn- und Lebensverhältnisse der mobilisierten deutschen Frauen sind unbefriedigend. 274 Personen leben in Zelten, ohne Pritschen, schlafen auf dem Boden, 250 – leben im Pferdestall der Kolchose Namens Stalin und schlafen auch auf dem Boden..

A.Kruglov

(ГАРФ.Ф.Р9479.Оп.1.Л.134.Л.818.)

Die Brotkarten wurden schon 1947 abgeschafft, doch noch 1950 bekamen die obengenannten mobilisierten deutschen Frauen die Hungerration 800g Brot und waren gezwungen in unmenschlichen Verhältnissen zu leben.
So auch:

Geheim

Ministerrat der UdSSR
Moskau, Kreml Anordnung Vom „__“ ______1952

Der Ministerrat der UdSSR erlaubt dem Ministerium der Erdölindustrie die Sonderübersiedler-Deutschen in die Baschkirische und Tatarische ASSR zu überführen.
Das hieß für diese Deutschen zwangsmäßig weiter übersiedelt zu werden. Auch später, schon nach Stalins Tod, konnte das NKWD die Sowjetdeutschen nicht loslassen: Streng geheim
Auskunft über Personen, deutsche Nationalität
– Sonderübersiedler. 15. Februar 1955
Zu diesem Zeitpunkt befinden sich unter Aufsicht der MWD 718 608 Deutsche...
...alle Sonderübersiedler arbeiten...gewissenhaft...beweisen sich positiv.
Auf Grund der Verordnung des Ministerrats der UdSSR vom 5. Juni 1954 Nr.: 1439-649cc „Zur Kürzung einiger Einschränkungen der Rechte der Sonderübersiedler“ sind von den Organen der MWD alle Kinder bis 16 Jahren von der Sonderaufsicht befreit.

Stelllvertretender des Vorgesetztender Sonderabteilung MWD der UdSSR

Nowikov

(Текущий архив Миннаца России, ГАРФ.Ф.Р-9401 – Laufendes Archiv des Ministeriums der Nationalitäten Russlands)

Man könnte noch hundert andere Dokumente herbeiziehen, doch bereits aus den vorgelegten ist zu sehen, dass das Schicksal der Deutschen Minderheit in der Sowjetunion schon lange vor dem Krieg von Stalin bestimmt war. So waren es die massenhaften Vernichtungen des reichen Elements: Ob Unternehmer, Gewerbetreibende in der Stadt oder auch Gutsbesitzer und Bauern auf dem Dorf. Die Kolonisten, bestrebt zum Wohlstand, meisterten ihr Leben immer rascher als andere Völker der UdSSR. Das führte zum Neid. Darum gerieten unter die bolschewistische Politik der Nivellierung in den Jahren 1917 bis’ 24 die sowjetdeutschen Bürger in erster Reihe. Tausende Verhaftete, Vertriebene, Erschossene.

Dann 1928 – 36 die Kollektivierung, die „sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft“. Wer nichts zu verlieren hatte, ging freiwillig und mit Freude in die Kolchose. Der deutsche Bauer aber hatte ein Stückchen Land gekauft oder gepachtet, hatte zwei Pferde, einen Pflug, Geräte, um seine eigene Existenz aufzubauen. Er sträubte sich, ging nicht in die Kolchose. Dann wurden die eigensinnigen deutschen Bauern als Volksfeinde gebrandmarkt, enteignet und nach Sibirien oder Kasachstan verbannt. Dort hatten sie kein Land, kein Pferd, keinen Pflug und keine Wahl. Um zu überleben gingen sie dann „freiwillig“ in die Kolchose. So wurde mit der Stalinistischen Landwirtschaftspolitik die Kollektivierung ins Leben gerufen.

1937-39. Die große Welle der Vernichtung der „antisowjetischen Elemente“. Niemand wusste, dass hinter diesem Versteck ein Prozess der schleichenden Entrechtung bestimmter Minderheiten in der Sowjetunion eingeleitet wurde. Und in erster Reihe traf es wieder die deutsche Volksgruppe, denn die Sowjetdeutschen lebten im Durchschnitt schon immer etwas besser als die anderen und man konnte aus ihnen Sündenböcke machen. Es war eine Maßnahme der Vernichtung oder auch des Degenerieren der deutschen Intelligenz. Die Mehrzahl fiel diesem großen Terror zum Opfer.
So ein Auszug aus dem operativen Befehl von Jeshow Nr: 00439

Moskau 25. Juli 1937

Um die Tätigkeit der deutschen Spionage restlos zu durchkreuzen befehle ich: ...
2. Ab dem 29. Juli d. J. sind alle von Ihnen erfassten deutschen Untertanen zu verhaften, die in Rüstungsbetrieben oder der Eisenbahn arbeiten...
5. Die im Laufe des Prozesses gegen deutsche Agenten-Spione, Diversanten und Terroristen entlarvten Sowjetbürger sind...sofort zu verhaften..

Volkskommissar für innere Angelegenheiten der UdSSR
Generalkommissar der Staatssicherheit

N. Jeshow

(Heimatbuch der Deutschen aus Russland 2004, Hilda Riss, S. 31.)

Ein weiteres Parteidokument zeigt deutlich, von wo der Wind wehte. Man muss sich nur in den Inhalt dieses historischen Schriftstücks hineindenken, einleben, um zu begreifen, wie ungeheuer menschenfeindlich Stalin und die Bolschewiki gegen ihre Bürger vorgingen:
„Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

Streng geheim

Kommunistische Partei der Sowjetunion (der Bolschewiken)

Zentralkomitee Nr.: 1158/67 17.Februar1938
An Gen. Frinowski.
Auszug aus dem Protokoll Nr.: 58 der Sitzung des Politbüros des ZK der KPdSU (B) Beschluss vom 31.01.1938...

67.-Frage des NKWD: Um zusätzlich dem NKWD zu gestatten, Kulaken und antisowjetische Elemente zu verhaften und ihre Prozesse in Dreiergruppen (Tpoйka) zu führen, ist das Limit des NKWD der Ukraine um 30 000 zu erhöhen.

Der Sekretär des ZK

(„Zone der totalen Ruhe“ G. Wolter.)

Welche menschenfresserischen Ausdrücke und Taten der Bolschewiki unter Stalins Leitung! Es wird zusätzlich dem NKWD gestattet, das Limit zum Vernichten der Menschen von 50, oder 100 Tausend??? noch um 30 000 zu erhöhen! Mit einer Unterschrift, ohne Gericht, ohne offene Prozesse, werden dem kommunistischen Moloch Abertausende unschuldige Menschen in den Rachen geworfen. Und wieder rollte der Terror zuerst über die deutschen Dörfer der SU.

Doch wurde die Vernichtungspolitik gegen die Sowjetdeutschen noch früher eingeführt und nämlich nachdem 1933 in Deutschland Hitler an die Macht kam. Am 5. November 1934 fasste das ZK der WKP(B) den Beschluss „Über die Arbeit mit der deutschen Bevölkerung in der SU.“ Dieses streng geheime Dokument weist deutlich auf die Weiche hin mit der die Parteipolitik von der Entnahme des allgemeinen konterrevolutionären Elements, auf die Politik der Entnahme des konkreten nationalen Elements umgeleitet wurde. Die Sowjetdeutschen, die für die Machthaber der SU als fremdartige Volksgruppe galten, war die erste Minderheit, die zielgerichtet verfolgt wurde. Die Resolution dieses Dokuments empfahl „...zu diesen antisowjetischen Elementen strenge repressive Maßnahmen einleiten: Verhaftungen, Verbannungen und die Böswilligen zur Erschießung verurteilen.“

Und dieser Tsunami der gegen die deutsche Bevölkerung eingeleitet wurde, überflutete dann alle deutschen Kolonien des Riesenlandes. So aus dem Berichte von Viktor Bruhl. Schon nach acht Tagen, am 13. November ’34 fasste das Büro der WKP (B) des Ostsibirischen Gaus einen streng geheimen Beschluss: „Die Maßnahmen zu der Bekämpfung des konterrevolutionären Elements unter der deutschen Bevölkerung.“

Und der „Feind“ wurde in den deutschen Kolonien des deutschen Rayons (Podsosnowo) sofort von dem NKWD gefunden. Ihr Bericht: „Vom 15.11. bis zum 25.12.1934 wurden 36 Gruppen mit 199 Mann und zwei konterrevolutionäre Organisationen mit 58 Mitgliedern entdeckt und aufgelöst.“ Schon nach zwei Tagen fanden die Männer der Staatssicherheit in mehr als 50 deutschen Dörfern eine Menge von Feinden. Schreiende Fragen: Warum wurden sie denn nicht früher verhaftet. Fehlte nur das Kommando von oben? Waren schon im voraus die Sündenböcke bestimmt und in Listen erfasst?

Im ganzen wurden 293 Deutsche verdächtigt und verhaftet. Unter ihnen war der erste Sekretär der WKP(B) I. Wilgauk, der Staatsanwalt Fischer, einige Lehrer, 11 von 33 Kolchosvorsitzenden, die Hälfte der Dorfratsvorsitzenden, 20 Brigadiere, die alle als Volksfeinde anerkannt wurden... Von den Beschuldigten wurden vier Mann erschossen, die anderen auf 3 bis 10 Jahre Haft verurteilt. Doch diese Strafe schätzte Stalin als zu mild ein und seine Helfershelfer haben die schon freigelassenen Deutschen wieder ergriffen. Und so wurden, während der zweiten Welle der Säuberung 1937 – 38 die meisten von ihnen erschossen. Bruhl konnte nur einen, der diese Repressalien überlebt hatte, aufsuchen, es war P. Borst der 1956 in Swerdlowsk lebte (Am 15.01.1960 wurden alle Verurteilten post mortem rehabilitiert). Und so wälzten sich die Todeswellen über alle deutschen Siedlungen der SU.

Doch waren diese Taten schon vor 13 Jahren von den Bolschewiki bestimmt und festgelegt worden. Nach dem Ergreifen der Macht 1917 sagte Lew Trotzki, einer von Lenins treusten Komplizen: „Wir verwandeln Russland in eine Wüste, die von weißen Negern besiedelt sein wird, denen wir eine solche Tyrannei einräumen werden von der bisher noch niemand träumen konnte... es wird eine rote Tyrannei sein, denn wir werden solche Ströme von Blut vergießen, die die Menschheit mit Schauder erfüllen und vor der alle Verluste der kapitalistischen Kriege verbleichen werden...Wir werden zeigen was eine wahre Macht bedeutet.“

Diese Worte, die von Aron Simanowitsch – vom persönlichen Sekretär des Grigori Rasputin – im Buch „Erinnerungen“ zu lesen sind, kann man wahrnehmen, denn sie wiederholen sich in den offiziellen Parteidokumenten.

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Diagramm. Die Vernichtungswelle, die die Sowjetdeutschen nach Hitlers Ernennung als Reichskanzler überrollte

So aus der Rede des Lew Trotzki auf dem Parteitag der WKP (B) 1921: „Wir werden mobile Arbeitsarmeen gründen. Die Arbeit wird mit einem Stück Brot belohnt werden, die Ungehorsamkeit mit Gefängnis und Tod bestraft.“

Auch Lenin sprach von großen Menschenverlusten – wenn nur 10 % von Russlands Bevölkerung bis zur Weltrevolution am Leben bleiben wird, sind dennoch die Opfer für die kommunistische Idee gerechtfertigt. Und hier ist das menschenfeindliche Innere der kommunistischen Ideologie deutlich zu erkennen – schon am Anfang des Weges zu ihrer Utopie verurteilen sie 90 % des Volkes zum Vernichten. Und jetzt wissen wir, wer die Väter der Arbeitsarmee war, ob Trudarmee, trudowye oder rabotschie Kolonny, wie sie sich auch nennen – es waren Lew Trotzki und Lenin.

Nach Lenins Tod erkannte Stalin in Trotzki seinen stärksten Konkurrenten und verbannte ihn zuerst nach Kasachstan und dann verjagte er ihn 1929 aus der SU. Doch die Vision von den Zwangslagern schwängerte Stalin und er trug, wie Zeus in seinem Kopf, zwei Gespenster aus: Die GULAGs und die Rabotschie Kolonny, von den Deutschen später Trudarmee genant.

* * *

1938. Es wurden die deutschen Schulen geschlossen. Somit wurde den deutschen Kindern der Unterricht in ihrer Muttersprache untersagt. Die deutschen nationalen Rayons und Dorfräte wurden aufgelöst.

1941. Die Enteignung und zwangsmäßige Übersiedlung der 800 000 Sowjetdeutschen.
Erst nach allen diesen Operationen, die gegen die deutsche Minderheit ausgeübt wurden, kam die Trudarmee, der später noch die Sonderaufsicht und 1948 die Versklavung auf ewige Zeiten folgten.

Und so galt es 1941 bis ’45 für die deutschen Sowjetbürger: Verteidigen des Staates vom Aggressor? – Nein. Für sie waren die Enteignung, Verschleppung, Zerreißen der Familien, Zerstreuung unter verschiedenen Völkern, Haft, GULAG, Versklavung vorgesehen. Warum?
Meine Antwort zu dem „Warum“ lautet: Um den Willen der sowjetdeutschen Bürger zu brechen. Sie fielen unter die von Stalin eingeleiteten Nationalitätenpolitik: Sie sollten ein neues, außernationales Volk in der neu geschaffenen „sozialistischen Nation“ werden. Die Trudarmee, die meiner Ansicht nach mit den Konzentrationslagern in Deutschland vergleichbar ist, war nur ein Instrument von vielen anderen „Umerziehungsmaßnamen“, die das Deutschtum in der UdSSR zermalmen, vernichten sollten.

Und jetzt eine kurze Zusammenfassung:
Stalin beschuldigte pauschal die Wolgadeutschen des Verrats, enteignete und vertrieb sie aus ihren Wohnorten und zerstreute sie unter anderen Völkern.
Diese Strafe schien ihm noch zu mild zu sein und er bestrafte die zwangsmäßig übersiedelten deutschen Männer zum zweiten Mal: Er steckte sie in Arbeitskolonnen, in die GULAGs.
Kurz danach stellte er alle anderen erwachsenen sowjetdeutschen Männer und Frauen, die nicht übersiedelt wurden, auf die gleiche Stufe: Auch sie wurden als Verräter betrachtet, auch sie stopfte er in die GULAGs.
Unter den 100 Völkern der Sowjetunion wurden nur die deutschen Frauen wie ihre Männer pauschal – in holder Eintracht – des Staatsverrats beschuldigt und dem NKWD ausgeliefert. Und so wurden in diesem Riesenland nicht nur die Sippen zerstreut, sondern auch die Familien zerrissen.
Es gab keine deutschen Schulen mehr, keine Kirchen. Die deutsche Sprache wurde verboten.
Die elternlos gebliebenen deutschen Kinder wurden in Kasachen- und Russenwaisenhäusern als Nichtdeutsche erzogen.
Die Sowjetdeutschen in den GULAGs wurden in rechtlose Sklaven verwandelt. Fünf Jahre unschuldig hinter Stacheldraht. Ein Drittel von ihnen wurde in den Lagern als „natürlicher Abgang“ – so bezeichneten die Machthaber den Tod der Trudarmisten – planmäßig vernichtet.
Die Überlebenden wurden in eine Lage gedrängt, in der sie ihre Muttersprache immer mehr vergaßen.
Nach meinen Erfahrungen und Erkenntnissen hat Stalins Versuch, das Deutschtum in der Sowjetunion zu vernichten, einen ganz bestimmten Namen: Völkermord. Und die Trudarmee war eine Brechstange des eingeleiteten Genozids.
Und dieses Wort – Genozid – wollen die Träger der kommunistischen Ideologie, die Führer der Nachfolgestaaten der ehemaligen UdSSR, wie auch ihre Helfershelfer, die hörigen Wissenschaftler und Historiker, nicht über die Lippen bringen.
Zu bedauern ist, dass auch in meiner neuen Heimat – in Deutschland – die Staatsmänner und Medien diese Einstellung vertreten.

Biografie

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Oskar Schulz ist am 16. Januar 1927 im deutschen Dorf Heimtal, Ukrainisch Wolhynien geboren. 1935 wurde sein Vater gezwungen, die Heimat „freiwillig“ zu verlassen. So kam die Familie auf die Krim ins deutsche Dorf Zürichtal, dann nach Kasachstan.

1943-44 – wurde der 15-jährige in die Trudarmee – Zwangsarbeitslager für die Sowjetdeutschen – bei Gurjev, verschleppt. Er rettete sich durch eine gelungene Flucht und zeitweiligem Aufenthalt unter dem Namen eines Tataren.

1947 – Abitur und bis 1952 Studium an der Veterinärmedizinischen Hochschule in Alma-Ata.

1952-1987 – Arbeit in der Landwirtschaft Kasachstans.

2001 absolvierte er den Fernlehrgang „Belletristik“ der Schule des Schreibens bei der Axel Andersson Akademie, Hamburg.

2001 wurde sein Buch „Und dennoch nicht abgenabelt“ und 2003 das Buch „Wage dich und halte die Waage“ mit Übersetzung in die russische Sprache „Skasawschij ras – da skaschet dwa“ veröffentlicht. Mit dem Erscheinen des Buches „Die Brechstangenpolitik im Zickzackkurs“ ist eine Trilogie über das Leben der russlanddeutschen Minderheit geschaffen worden.

Er ist Rentner, verheiratet, hat vier Kinder, acht Enkelkinder und drei Urenkel.

Seit 1994 wohnhaft in Leipzig.

Alle drei Bücher der Trilogie sind bei Oskar Schulz, per Telefon 0341 65 13 929 bestellbar.

Unterstützung in sozialrechtlichen Angelegenheiten

macht Sozialreferent mit langjähriger Erfahrung

Montag - Freitag
von 9:00 bis 15:00
und nach Vereinbarung
Tel.: 0341-333-85-973

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