Alexander Gangnus

Alexander Gangnus wurde 1939 geboren. Machte seine Hochschulbildung an der Staatlichen Universität Moskau. Er war Redaktionsmitglied in namhaften Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen. Seine wissenschaftlichen Interessen galten den Teilwissenschaften über den Planeten Erde. Der Wissenschaftler wurde viel gedruckt, veröffentlichte eine ganze Reihe von Büchern, zwei Romane. Wurde auch als Literaturkritiker bekannt – während der „Perestrojka“ erschien der Zyklus seiner Veröffentlichungen, der die „Ästhetik“ des sozialistischen Realismus als totalitäre Religion definiert. Er ist Mitglied des Vorstandes des Schriftstellerverbandes Russlands.

 

“Ich” und die Nationalitätenfrage

REDEN ODER SCHWEIGEN?

Für alte Fälle mache ich den Leser darauf aufmerksam, dass das Wort „ich" in der Überschrift in Anführungsstriche gesetzt ist: Es wird in diesen Aufzeichnungen nicht so sehr um meine Wenigkeit wie vielmehr um jeden gehen, der sich in seinem, wie es so heißt, persönlichen Leben mit der Nationalitätenfrage konfrontiert sah. Zugleich wird es aber auch um mich und meine Erfahrung gehen, denn verantwortungsbewusst kann man zu solch brenzligem Thema nur das äußern, was man selbst sehr gut kennt.
Anatoli Streljany, mein Freund und Mitstreiter in der „linken" Publizistik aus der Zeit, da die Perestroika ihren Höhepunkt erreichte, der — übrigens ein Ukrainer laut Punkt 5 und seinem unausrottbaren Akzent nach — meines Wissens zu allen nur denkbaren Themen geschrieben hatte, weigerte sich seinerzeit entschieden, nach Karabach (auf Einladung armenischer Schriftsteller) zu fahren — auch mir hatte er das ausgeredet —, indem er freimütig erklärte: „Ich verstehe nicht, was und wie ich darüber schreiben sollte. Ich habe Angst, dorthin zu fahren."
Damals — es war noch, bevor die Schüsse fielen, die ersten Pogrome aber die Atmosphäre bis aufs äußerste angeheizt hatten, — begründeten wir unsere Weigerung ungefähr so: „Jedes dort und darüber gesagte Wort kann Blutvergießen zur Folge haben." Das Leben scheint diese Befürchtungen bestätigt zu haben. Eine armenische Lyrikerin, die uns mit eingeladen hatte, einer alten armenischen Familie geistig Schaffender entstammend und von dem für sie absolut klaren Thema ergriffen, schrieb Verse, die nur so von Flüchen und Drohungen gegenüber der ganzen „aggressiven Nation" einschließlich der kleinen und noch ungeborenen Kinder strotzten. Einst so sanft und intelligent, wollte sie meine Einwände keinesfalls gelten lassen: „Sie glauben, sie würden unsere Kinder..." Klar, dass eine solche Lyrik die Menge des vergossenen Blutes, auch des armenischen und des der kleinen Kinder, nur vergrößern konnte.
So oder so, das Blut wurde vergossen, und es wird vergossen, ohne dass Streljany und ich Stellung dazu genommen haben. Wir stehen da scheinbar abseits. Doch manchmal melden sich nagende Skrupel: Wäre von dem Blut nicht wenigstens ein Tropfen weniger vergossen worden, wenn wir damals hingereist wären und etwas dazu gesagt hätten?

AUF GROBE KLÖTZE GEHÖREN GROBE KEILE?

Ein Lette im Zug Moskau — Riga (die Volksfront Lettlands machte die ersten Schritte) war hocherfreut, als er erfahren hatte, dass die in seinem Abteil mitfahrenden Moskauer — ich und mein jüngster Bruder Wolodja — die Idee der Unabhängigkeit Lettlands unterstützen. Im Überschwang der Gefühle sehnte er die Zeit herbei, da die freien Letten und Russen (mein Bruder und ich kamen nicht dazu, zu sagen, dass wir nicht ganz Russen sind), einander an den Händen gefasst, einträchtig den Weg des Fortschritts gehen und uns gleichzeitig solche gemeinsamen wirklich schlimmen Feinde wie Juden und Deutsche vom Halse schaffen werden.
Ein überzeugter Nationalist ist weder naiv noch diabolisch schlau — er ist von der Natur der Erscheinung selbst her doppelzüngig: Um seiner fixen Idee willen wird er aufrichtig Winkelzüge machen und Formulierungen wechseln. Er ist überzeugt, dass alle Menschen anderer Nationalitäten genau solche Nationalisten sind wie er selber, und daher — wenn er wüsste, dass in diesem Moment er es mit Deutschen oder Juden zu tun hat, würde sein ganzes Wesen brüderliche Verbundenheit mit diesen, Anwesenden, ausstrahlen, um gemeinsam andere, Nichtanwesende, niederzudreschen.

Der Schriftsteller L(itschutin), unser bekannter Hurrapatriot, sagte zu mir in den Zeiten, da sich die Wege der ehemaligen Kampfgefährten — der Prosaiker der „Moskauer Schule der Vierzigjährigen" — schon schieden, aber sich noch nicht endgültig geschieden hatten, mehr als einmal versöhnlerisch:. „Ich bin Russe, du bist ein Deutschstämmiger, das ist gut, das ist was ganz anderes als diese Juden und Freimaurer."
Damals lachte ich — im Umgang miteinander huldigten wir dem Humor, das klang wie ein Scherz. Später hinderte diese „Liebe zu den Deutschen" die Zeitschrift „Nasch sowremennik" (Unser Zeitgenosse), in der L. und seinesgleichen das Regiment führen, nicht daran, in Bezug auf die Russlanddeutschen ziemlich deutlich zu werden: Sie seien natürlich auch, Verschwörer... Andersstämmige „liebt" der Nationalist, wenn sie fern sind und einem Geld zustecken.
Ich weiß nicht, ob ich darauf stolz sein soll — mein Name steht bei der Gesellschaft „Pamjat" auf der schwarzen Liste. Allerdings nicht durch meine Bemühungen. Einer meiner schriftstellernden Kollegen flüsterte den „Pamjat "-Fritzen, die nie ein Buch in der Hand gehalten hatten, zu, der wahre Name meines älteren Bruders Jewgeni Jewtuschenko sei Gangnus. Da er das verheimliche, sei er Jude und ein Verschwörer. Deswegen kam es denn auch zum sattsam bekannten Skandal im Zentralen Haus der Literaten unter Teilnahme des seligen Ostaschwili. Jewgeni wies derartige „Anschuldigungen" öffentlich kein einziges Mal zurück — und zu Recht. Die dänische Königsfamilie war während des Krieges weiter gegangen: Als die Nazis den Juden befohlen hatten, sich mit dem sechszackigen Zeichen zu markieren, nähten alle ihre Angehörigen und, ihnen folgend, alle wahren Dänen den „jüdischen Stern" an ihre Kleider an und vereitelten dadurch eine Demonstration der judenfeindlichen Brüderlichkeit des dänischen und des deutschen Volkes. Leider führten sich viele Letten, die unsere Brüder sein wollten, während des Krieges ein bisschen anders auf ...
Auf Lettland zurückgreifend, mit dem mich vieles verbindet, vor allem wohl der Friedhof, auf dem die Gebeine meiner Vorfahren ruhen, der ersten Bewohner der Kolonie Hirschenhof im 18. Jahrhundert, möchte ich sagen, dass ich nur dort einen der Führer der Nationalen Befreiungsfront peinlich genau und mit einem gewissen Stolz ausrechnen hörte, wie rein sein blaues lettisches Blut sei. 1939, als die Baltendeutschen gemäß dem Stalin-Hitler-Abkommen die von ihnen gebauten und im Laufe von Jahrhunderten gepflegten Städte und Dörfer verlassen und die sorgfältig bebauten Felder liegen lassen mussten, ließen es sich die dortigen Nationalisten nicht nehmen, sie johlend zu verspotten.
Mir fiel ein Auszug aus dem Brief eines lettischen Emigranten und Nationalisten in die Hände, den er mit dem unverkennbaren Ziel geschrieben hatte, die Beteiligung von Letten an der Ausrottung der Juden zu rechtfertigen:
„Anfangs dachten wir so: Da wir jahrhundertelang unter Baronen gelitten haben, wäre es besser für uns, von den Russen als von den Deutschen regiert zu werden. Ein paar Monate danach hatten wir mit den sogenannten Russen genug ausgestanden und begrüßten mit um so größerer Begeisterung Deutsche als unsere Retter (einst hatten wir sie ebenso leidenschaftlich gehasst). So eine schier unglaubliche Kehrtwendung vollzog das Volk. Mit den Esten und Litauern war es nicht anders. Warum? Wie soll man das erklären?

Es liegt an den Juden. Wir wussten damals nicht (viele wissen es auch heute nicht), dass die UdSSR ein Judenstaat ist. Wir begriffen nicht, dass Hitlers Bestialitäten nur eine Reaktion waren ... Mit dem eben Gesagten entschuldige ich Hitler nicht. Ich hasse die Menschen, und so auch die Juden, nicht, aber daran glauben, was sie sagen, kann ich auch nicht... Um mit der Judenfrage klarzukommen, müssen Sie sich über einige Jahrhunderte hinweg in die europäische Geschichte zurückversetzen, beginnend, sagen wir, mit dem Herrn Weishaupt in Ingolstadt und seinen Illuminaten und dann über die Französischen Revolutionen (1789—94 und 1848) und die Entwicklung in Russland im 19. Jahrhundert bis hin zu den Revolutionen von 1905 und 1917. Wenn Sie bedenken, dass Weishaupt, Klootz, Marx, Engels usw. bis Freud und Weizmann alles führende Juden sind, genauso wie die Kommissare im Kreml, werden Sie leichter verstehen, wie ich mich zu den Verbrechern auf der anderen Seite verhalte ... Ich verfolge das Geschehen mit großer Angst: Eure Massenmedien, eure Kunst, euer Bildungswesen, euer Kapital usw. stehen wieder unter starkem jüdischem Einfluss. Sie haben mehrmals versucht, das Land (Deutschland — A. G.) zu zerstören, doch es ist ihnen nicht gelungen, und nun sind sie wieder am Werk."
Der Verfasser des Briefes schreibt viel und mit Unmut (wenn nicht gar mit Ingrimm) über die gerichtliche Verfolgung der Letten, die an der Ausrottung der Juden teilgenommen haben, in Deutschland, wenngleich er manche ihrer Greueltaten ziemlich auführlich und wahrheitsgetreu schildert. Weiter ist der Brief in Deutsch verfasst:
„Mein Fund war einfach ein Zufall. In einem Zeugnis über die Judenvernichtung in Lettland habe ich seinen Namen erwischt. Es handelte sich da um einen Arzt aus Wenden (Cesis), der an einer Aktion eines lettischen Sonderkommandos in Varaklani (Warkland) teilgenommen hatte. In diesem Zeugnis steht, dass Dr. G. (im weiteren werde ich diesen Anfangsbuchstaben dechiffrieren — A.G.) ein großer Säufer gewesen ist und seine Freizeit mit Trinken und Spielen vertrieben hatte. Nach einer Vereinbarung sollte der Verlierer (bei einem Kartenspiel?) als Strafe einen Juden erschießen. Es passierte nun, dass der Arzt verlor. Nun sind sie alle in den Arrestraum gegangen, wo Dr. G. einen jüdischen Arzt erschießen sollte. Der Schütze ist aber so voll gewesen, dass er kaum auf den Beinen stehen konnte. Als er Schwierigkeiten mit dem Zielen hatte und die Pistole in seiner Hand zu schauklig gewesen ist, ist ihm das Opfer selber zu Hilfe gekommen. Mit dem Finger auf sein Herz zeigend, hat er ihn aufgefordert: "Zielen Sie hierher, Kollege, und machen Sie schnell bitte. Sie quälen mich zu lange."
Ein außergewöhnlich beredtes, schlaglichtartig wirkendes Dokument, nicht wahr? Selbst die notorische Trunksucht des Dr. G. kann man in einem milderen Licht sehen: Es sind ja zwei verschiedene Dinge: sich abstrakt zu der Idee zu bekennen, die Juden und Freimaurer hätten ein weltweites Komplott geschmiedet (die vom Verfasser des Briefes erwähnten Illuminaten waren ein Zweig der Freimaurerbewegung, in der es neben die Juden tolerierenden Strömungen auch xenophobe und unverhohlen judenfeindliche gab), oder eigenhändig zu morden, zumal einen Kollegen, den man wahrscheinlich aus dem einstigen friedlichen Leben kannte. Und nun zu dem Namen, der sich hinter dem Anfangsbuchstaben G. verbirgt. Der Arzt aus Cesis hieß Gangnus. Da aber, wie mein Onkel im vierten Grade, Gustav Gangnus aus Dortmund, nachwies, alle seligen und lebenden Gangnus miteinander verwandt sind, die baltischen Gangnus sogar nicht sehr weitläufig, erst seit dem 18. Jahrhundert, so muss auch dieser Arzt ein Verwandter von mir gewesen sein. Man kann mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass er Eugen hieß, wie eigentlich auch mein anderer hier erwähnter Verwandter, der in einer sibirischen Schule wegen seines deutschen Familiennamens schikaniert und von der „Parrijat"-Gesellschaft als verkappter Agent des Zionismus verdammt wurde.
Unter meinen Freunden im trauten Moskauer deutschen Verein sitzend, klagte ich einmal über eine Frau, die uns allen bekannt war und sich als Buchhalterin an fremdem Geld vergriffen hatte, weswegen sie dann auch gefeuert wurde. Eine meiner Gesprächspartnerinnen, die diese Buchhalterin kannte, interessierte sich für Einzelheiten, stellte Fragen und sagte schließlich im Brustton der Überzeugung: „Also ist sie keine Deutsche, sondern ..." Wenn man also schlecht ist, hat man ein Jude oder ein Zigeuner zu sein. So urteilen primitive Nationalisten. Der oben angeführte Brief ist ein Muster raffinierterer, man könnte sagen, diplomatischer Sichtweise, wenngleich der Ausgangspunkt der gleiche ist. Was hinter dem Text steckt, könnte man so formulieren: Warum Unschuldslämmer spielen, liebe Herren Gangnus, auch unter euch gab es grausame Fanatiker, brutale Kerle, also gehört ihr zu uns, also haben wir das Recht, von euch zu fordern, dass ihr mit Henkern mitfühlt, die durch nazifeindliche Ermittlungen beinahe zu Tode gehetzt wurden.
Und noch ein Gedanke lässt sich aus dem Brief herauslesen: Einer von seinesgleichen, ein Verwandter sei jederzeit würdig, mit Nachsicht behandelt zu werden; kein Gangnus wird dem anderen Gangnus die Augen aushacken. Und wenn man auf diesen Köder angebissen hat, gehe man weiter: Ein Deutscher ist für einen anderen Deutschen gut und mit Nachsicht zu behandeln, und so ist es ein Lette für einen Letten, und ein Russe für einen Russen, was er auch angestellt haben mag ... Und sie alle können sich sogar anfreunden, wenn sie sich frohgemut und einträchtig aufmachen, Juden (oder Menschen kaukasischer Nationalität, oder ...) zu verhauen. So leicht kann sich der hirnverbrannte Nationalismus gleichsam in den „Internationalismus" verwandeln. Und das geschah auch, mehr als einmal!
Aus dieser „Logik" scheint es keinen Ausweg zu geben, es sei denn folgenden: Wenn schon in einer Familie missratene Kinder vorkommen, so kann umso weniger eine nationale Gemeinschaft hohe persönliche Eigenschaften garantieren. Daher, sagen wir, eine massenhafte Enttäuschung im Rahmen der Bewegung der Russlanddeutschen: Die Leute sind nicht so sehr vom Ideal — der Republik der Wolgadeutschen oder der fernen Urheimat, wie vielmehr voneinander, das heißt von sich selbst enttäuscht. Mitstreiter haben sich als gar keine Mitstreiter entpuppt ... Aber warum, fragt es sich, müssen sie anders und nicht so sein, wie sie sind - mehrmals betrogene, ihrer Kulturbasis und ihrer Religion beraubte, kaum gebildete, treuherzige und naiv-schlaue Sowki* — aus durchaus objektiven Gründen, die, historisch gesehen, umso unumstößlicher sind. Der Russlanddeutsche unterscheidet sich von jedem anderen ehemaligen Sowjetbürger ebenso wenig, wie jeder deutsche Kongress von einem beliebigen gesamtrussischen Sowjetkongress...

AUF DIE PAUKE HAUEN ODER MIT WÜRDE AUFTRETEN?

Ich will hier nicht alles sagen, was ich über die Perspektiven des Aufenthalts der Russlanddeutschen in Russland denke. Eins ist klar: Eine Republik wird es nicht geben.
Für dieses Gespräch mit dem Leser ist aber etwas anderes wichtig. Und zwar: Viele, die vor drei Jahren lautstark eine Republik forderten und ein Feindbild in jenen suchten, die die Pauken nicht hauten, diese "Aktiviste" verreisten als Aktiviste mit Kind und Kegel im stillen damals einer nach dem anderen — aber nicht an die Wolga, sondern nach Deutschland. Sie, die sie am stärksten auf die Pauke hauten, hatten schon immer gewusst, dass es keine Republik geben wird!
Freilich waren die geschickt eingefädelten massenhaften hysterischen Anfälle auf Konferenzen und Kongressen Politik. Und Politik ist, wie neulich der Speaker des russischen Parlaments zugab, ein schmutziges Geschäft. Immer. Wenngleich ohne Politik nichts getan werden kann.
Es heißt, fast alle Rußlanddeutschen werden wegziehen und, einmal weggezogen, werden sie sich bemühen, Russland wie einen Alptraum zu vergessen. Wie Akademiemitglied Boris Rauschenbach sagte, ist es das in der Geschichte einzige Beispiel, wo sich ein ganzes Volk von sich selbst lossagen will. Es handelt sich um eine Katastrophe, bei der es schwer ist, anständig zu bleiben. Ja, es ist schwer, aber anders geht es nicht.
Es ist Zeit, sich an solche der Vergessenheit anheimgegebenen Begriffe zu erinnern wie Leumund. Ein deutscher Sprachkurs stellt mitunter seine Tätigkeit ein, weil die Russland-, mit Verlaub, -deutschen, die ihn abgeschlossen haben, die gemeinnützigen (fremden!) Lehrbücher nicht an folgende Gruppen abgegeben haben. Zu denjenigen, die die Lehrbücher nicht zurückgegeben haben („Ich brauche eins selbst!"), Gehört übrigens auch die Frau, die der Meinung ist, dass derjenige kein Deutscher sei, der etwas gestohlen hat. Der Empfang der humanitären Hilfe aus Deutschland beginnt immer mit aufregenden Gesprächen über unsere armen Arbeitsarmisten und endet damit, dass sie aus irgendeinem Grunde öfter diejenigen bekommen, die viel Worte machten und die Listen (in denen der Anteil ihrer Verwandten groß ist) aufsetzten, und sie sind in der Arbeitsarmee selbstverständlich nie gewesen.
Wenn man ein großzügigeres Recht auf die Einwanderung in Deutschland anstrebt, ist es nicht einfach dumm, einen Zusammenschluss mit den deutschen Rechtsextremisten, den leiblichen Brüdern jener besoffenen Lumpenproletarier, die Jelzin die Republik der Wolgadeutschen begraben ließen, anzudrohen. Das ist unanständig! Der Anblick des Saales, der stehend einen Politiker begrüßt, welcher bereit ist, die Ultrarechten in der Bundesrepublik in seine Arme zu schließen, kann einen nicht nur schmunzeln, sondern auch Abscheu empfinden lassen. Angesichts solch makabrer Aufwallung der Gefühle könnten die Demokraten, Wohltäter und alle ehrlichen Menschen Deutschlands, die einzigen, die dort den Russlanddeutschen die Katastrophe von 1941 wirklich kompensieren wollen, innehalten und sich eines anderen besinnen. Die Berserker dortzulande machen ihnen ohnehin zu schaffen.
Keine nationale Bewegung ist ohne einen rechten Flügel — den Chauvinismus — ausgekommen. Das Auftauchen eines solchen Flügels in der Bewegung der Russlanddeutschen wäre besonders absurd — schon wegen eines großen Anteils der Mischehen, und das nicht nur in der letzten Generation. Doch Absurdes erweist sich heutzutage viel zu oft als durchaus möglich. „Wenn man die Sterne entzündet, heißt das, dass es not tut irgendwelchen Perlen?" Die nationale Aufschneiderei der Russlanddeutschen, sollte sie einigermaßen deutlich zutage treten, wäre vor allem Wasser auf die Mühle der russischen Hurrapatrioten und Chauvinisten, derjenigen also, die hier die Deutschen hetzen. Sie käme aber auch den Leuten in Deutschland gelegen, die sie dorthin nicht reinlassen wollen. Die Frage elementarer Anständigkeit wird somit zu einer durch und durch praktischen Frage ...

Unterstützung in sozialrechtlichen Angelegenheiten

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